Konzerte & Party

Shellac

Shellac haben Humor. Auf ihren Konzerten kann es passieren, dass sie sich als Sex Pistols oder Hasen kostümieren und signierte Baseball-Bälle ins Publikum werfen. Denn mit professionellen Künstlerposen kann das Trio aus Chicago nichts anfangen. „Sie werden irgendwann zwischen jetzt und der Zukunft eine neue Platte herausbringen“, heißt es etwa im offiziellen Porträt der Band, die sich den Luxus erlaubt, nicht zur Geisel des eigenen Schaffens zu werden. „Kunst als alleinige Einkommensquelle zu benutzen, macht es schwierig, dabei die Dinge zu tun, mit denen du dich wohlfühlst“, unterstreicht Gitarrist Steve Albini, dass Shellac nicht mehr als ein Hobby darstellt.

Shellac

Wobei Musik an sich durchaus Albinis Rechnungen bezahlt: Sein Studio Electrical Audio gilt als eine der renommiertesten Adressen weltweit, wenn es um analoge Aufnahmetechnik, ausgeklügelte Mi­krofonierung sowie einen Produktionsansatz geht, der den jeweiligen Künstler auf das Wesentliche reduziert. Albinis Vita als Toningenieur listet daher auch Schwergewichte der Alternative-Szene wie Nirvana, The Stooges, die Pixies, PJ Harvey, Neurosis oder Om. Derart befreit von materiellen Zwängen kann Albini umso kompromissloser selbst musizieren. Und so währt sein Hobby Shellac bereits mehr als zwanzig Jahre und hat dabei fünf Alben hervorgebracht, die durch eine unerhörte Schroffheit bestechen. Kratzige Gitarrenschleifen grooven hier im Verbund mit knarrenden Bässen und verwinkeltem Schlagzeugspiel, garniert mit mal lakonischem, mal bellendem Sprechgesang.  Albini sowie seinen Mitstreitern Robert Weston und Todd Trainer hat dies einen hübschen Kultstatus eingebracht.

Text: Roy Fabian

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