Rock

Shirley Holmes im Rosi’s

Alles nur geklaut: Shirley Holmes mussten Detektive werden, um noch rocken zu dürfen

Foto: Christoph Mangler

Es gibt Alben, und oft die besten, die sind das ­Ergebnis einer verlorenen Liebe oder eines Todesfalls. Soll heißen: Verlust kann ein echter Kreativmotor sein. Von einem profanen Diebstahl hat man in diesem Zusammenhang ­allerdings bislang noch nichts gehört. Bis zu „Schnelle Nummern“, dem neuen Album von Shirley Holmes. Stand die Berliner Band doch vor dem Aus, nachdem in ihren Übungsraum eingebrochen worden war. Das gesamte Equipment im Wert von mehreren Tausend Euro war weg – und damit auch die eh fragile Geschäftsgrundlage einer Band, die wie die meisten anderen beständig am Prekariat entlang schrabbt. Was tat die Band? Sie ent­deckte – nomen est omen – den Sherlock Holmes in sich und stieß nach tagelanger Detektivarbeit in Internet-Foren und Musikerkreisen auf eine Spur, stellte dem Dieb mit Hilfe der Polizei eine Falle und bekam Instrumente und Verstärker wieder zurück.
Wäre der Kriminalfall nicht gelöst worden, dann gäbe es wohl Shirley Holmes nicht mehr und auch nicht „Schnelle Nummern“. Was schade wäre, denn auf dem neuen Album kommt das Trio mit seinem Projekt, die deutschen L7 zu werden, ein gutes Stück voran. Der vom Geist des Punk getragene Rock, durchaus brachial, aber mit Sinn für die raumgreifende Popmelodie und einem kaum verhohlenen Hang zu derben Witzen und Büchsenbier, ist zwar sicherlich nicht der heiße Scheiß, aber wird hier noch einmal mit ungeahnter Frische aufgeführt.

Rosi’s Revaler Str. 29, Friedrichshain, Fr 12.5., 21 Uhr, VVK 9€ zzgl. Gebühren

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