Konzerte & Party

Shrinebuilder im Berghain

Shrinebuilder

Was für einen treffenden Namen haben sich Shrinebuilder da bloß gegeben! Als 2007 erste Gerüchte über die Gründung umgingen, blieb den Metal-Ikonografen angesichts des Personaltableaus schier die Spucke weg. Da wäre zunächst Scott „Wino“ Weinrich, der vom Leben und legendären Bands wie Saint Vitus oder The Obsessed gezeichnete Gitarrenfürst des Doom. Bassist Al Cisneros wiederum steckte mit Sleep die tief grummelnden Bereiche des Stoner Rock ab, die er anschließend mit OM meditativ anfüllte. Scott Kelly schuf mit Neurosis einen völlig neuen Klangkosmos, in dem Hardcore, Doom und Folk zu dem verbunden wurden, was heute unter dem Etikett Post-Metal firmiert. Und schließlich ist da noch Dale Crover, dessen Melvins seit bald dreißig Jahren als eine der einflussreichsten Bands des lärmaffinen Undergrounds gelten. Insofern ist die personelle Architektur von Shrinebuilder in der Tat famos und  Weinrich bezeichnete die nur drei Tage währende Session  als „magisch“. Das Schöne ist, dass es sich hierbei nicht um hohle Phrasen handelt. Auf „Shrinebuilder“ fügen sich Weinrichs Blues, Cisneros‘ Mantren, Kellys Urgewalt und Crovers Punch ohne großen Firlefanz organisch ineinander. Rein stilistisch setzt das Album damit keine neuen Maßstäbe. Was es aber trotzdem zu einer tollen Platte macht, ist der Umstand, dass es in vollen Zügen den Geist eines ungezwungenen und doch konzentrierten Jams von vier Vollblutmusikern fernab aller Eifersüchteleien atmet.

Text: Roy Fabian

Shrinebuilder + Brace/Choir, Berghain, Fr 12.11., 21 Uhr, VVK: ab 18,40 Euro

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