Kommentar

„Shuffle-Zitrone“ von Stefan Hochgesand

Wie es der Zufall so will, hab ich das letzte Mal an dieser Stelle über den zweifelhaften Mehrwert der Repeat-Taste geschrieben, statt selbstkritisch über die Nachbartaste auf vielen Anlagen zu sinnieren

Stefan Hochgesand

Die Shuffle-Play-Taste – die ich selbst, offen gestanden, viel exzessiver nutze, zumindest auf dem MP3-Player. Ergibt das irgendeinen Sinn, dass man erst mal 500 Songs durchs Lade­kabel aufs Endgerät rüberfließen lässt, und am Ende, voller Hoffnung, es möge doch dieser oder jener Song gleich laufen, diesen nicht gezielt ansteuert, sondern Shuffle drückt? Meine küchenradiopsychologische Idee: Es bringt verblüffend viel Spaß, sich dem Zufall auszuliefern und auf ein Mini-Ergebnis hinzufiebern. Zu beobachten an jedem Einarmigen Banditen in der Eckkneipe: nochmal den Hebel umlegen und hoffen, dass die drei Zitronen kommen. Fast so wie auf Shuffle drücken und hoffen, dass Beyoncés „Lemonade“ kommt. Hingegen macht es überhaupt keinen Spaß, in den Banditen einzugreifen und ihn auf drei Zitronen zu drehen. (Na gut, ich hab’s noch nicht probiert.)
Prinzipiell wäre ja in unserer streamenden Zeit fast alles mit zwei Mausklicks verfügbar, vom Porno bis zum Popsong. Das Shuffle verzögert den Euphorie-Moment ins Ungewisse – wie auf dem Dancefloor, wenn man sich der Willkür des DJs ausliefert. Wobei DJs selbstredend bessere Kuratoren sein sollten als der Zufallsalgorithmus meiner MP3-Box. Die meint es heute ­besonders bitter mit mir und spuckt keine drei Zitronen aus. Shuffle-Schuft!

Mehr über Cookies erfahren