Konzerte & Party

Simon Kanzler beim Jazzdor-Festival

Simon Kanzler

Als Philippe Ochem, der künstlerische Leiter des Festivals Jazzdor Strasbourg, 2007 beschloss, einen Teil seiner Aktivitäten nach Berlin zu verlegen, ahnte er nicht, dass dieser Ableger bald ein ganz eigenes Gesicht erhalten würde. Aus dem französischen Jazz-Export wurde eine Drehscheibe für deutsch-französische Jazz-Aktivitäten, die nun im neunten Jahr noch um eine britische Komponente erweitert wird. Ein in Frankreich konzipiertes, in Berlin ausgeführtes und sich konzentrisch nach Europa ausdehnendes Festival ist in dieser Form einmalig.
Neben alten und neuen Mitstreitern wie dem Power-Gitarristen Marc Ducret, dem psychedelischen Sun-Ra-Adepten Thomas de Pourquery oder dem britischen Free-Jazz-Urgestein Paul Rogers erfreut sich auch ein junger Berliner erstmals internationaler Aufmerksamkeit. Für Vibrafonist Simon Kanzler ist die Floskel „Hoffnungsträger“ viel zu abgegriffen. Der trockene Sound seines Klimperkastens ist nicht nur in Deutschland ohne Vergleich. Kanzler ist ein lakonischer Träumer, der sich irgendwo zwischen Surrealismus und Neuer Sachlichkeit eingerichtet hat, ein begnadeter Erzähler und zugleich ein stoischer Meister des anspruchsvollen Understatements. Seine um den französischen Posaunisten Geoffroy de Masure erweiterte Band Talking Hands zählt zu den heimlichen Sensationen des jungen europäischen Jazz.

Text: Wolf Kampmann

Jazzdor, Kesselhaus der Kulturbrauerei, Knaackstraße 97, Prenzlauer Berg, Do 4.+Fr 5.6., 20 Uhr, Tagesticket 15 Euro, erm. 11 Euro, beide Tage 22 Euro

Weitere Informationen: www.jazzdor-strasbourg-berlin.eu

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