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Konzertante Oper

Simon Rattle dirigiert seine letzte Oper bei den Berliner ­Philharmonikern

Zum letzten Male – will des Amtes er walten“, so heißt es salbungsvoll in Richard Wagners „Parsifal“. Doch für Simon Rattle gilt genau dies bei seiner letzten konzertanten Opernaufführung mit den Berliner Philharmonikern nur teilweise

Stephan Rabold

Längst ist Rattle, der Ende der Saison in der Philharmonie auscheckt, ein Haus weiter untergeschlüpft. In der Staatsoper dirigiert er als Gast-Operndirigent ab November munter weiter (dann Rameaus „Hippolyte et Aricie“). Er hat sich rasch getröstet.

Ob sich die Philharmoniker ihrerseits lange mit dicken Tränen aufhalten werden, hängt auch davon ab, ob es Rattle mit diesem „Parsifal“ gelingt, manche Scharte auszuwetzen. Auf dem traditionellen Sektor (bei Brahms, Schumann oder Bruckner) hat Rattle dem Orchester eher wenig genützt. Außer bei Neuer Musik, Education, der Digital Concert Hall und einer stets guten Kartennachfrage war die Ära nicht sonderlich glorios. Manches Mal aber hat Rattle Tiefschläge plötzlich doch noch in Triumphe umgewandelt. Seine Johannes-Passion etwa, kurz nachdem er 2002 begonnen hatte, war furchtbar. Die folgende Matthäus-Passion ein Sieg auf ganzer Linie. Sein konzertanter „Tristan“ 2016 erwies sich als herzlich positionslose, blasse Angelegenheit. Gerade deswegen könnte der „Parsifal“ jetzt zur Offenbarung werden.

In Baden-Baden kam das Ganze schon zu Ostern heraus (inszeniert von Dieter Dorn). Die besseren Protagonisten, allen voran Nina Stemme als Kundry, sind in Berlin zu erleben. (Allerdings sang Stemme – Wunder der Fehlplanung! – dieselbe Rolle gerade auch bei Barenboim an der Staatsoper…) Mit dem australischen Heldentenor Stuart Skelton steht ein weniger untersetzter Parsifal im Mittelpunkt als in Baden-Baden. Interessanter Quereinsteiger ist der vorzügliche Liedersänger Gerald Finley in der Rolle des dauerleidenden Amfortas. Den bösen Klingsor – eine Rolle, die nie misslingt – übernimmt der heftig tätowierte Evgeny Nikitin.

Dass die eigentliche Hauptrolle, der Grals-Moderator Gurnemanz, schon wieder vom erzlangweiligen Franz-Josef Selig gesungen wird, zeigt dagegen, dass Rattle sich in Sängerfragen kaum noch auskennt. (Hier gäbe es zahllose Bessere, z.B. Stephen Milling, Günter Groissböck, Kwangchul Youn, Georg Zeppenfeld und Hans-Peter König.) In Berlin wurden wir jahrelang derart wagnerüberfüttert, dass wir alle zu großen Sanges-Fachleuten geworden sind. Was Fußballfans können, nämlich überlegen fachsimpeln, können Operngeher in Berlin schon lange.

Mit einem luxurierend feinen, irrlichternd irisierenden Super-Orchester wie den Berliner Philharmonikern kriegt man all das trotzdem höchstens ein Mal pro Generation zu hören. Bei der leisesten Wagner-Oper überhaupt kommt alles nur auf changierende Klangflächen, auf auratisches Raunen und Dampfen an. Daher will die Frage, ob man sich derlei entgehen lässt, doppelt erwogen sein. Wer noch ein Zusatzargument braucht, findet’s im mitwirkenden Rundfunkchor ­Berlin (unter Rückkehrer Simon Halsey). Last orders!

Philharmonie Fr 6.4. + So 8.4., 17 Uhr Karten 45 – 138 €

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