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Sir Paul McCartney über sein neues Album

Sir Paul McCartney hat es nicht leicht. Nach der Schlammschlacht um seine Scheidung brauchte der Ex-Beatle ein Ventil, um Druck abzulassen. Genau im rechten Moment fiel ihm da sein Alter Ego aus den Neunzigern ein. Damals hatte er mit Killing-Joke-Bassist Youth das gemeinsame Projekt Fireman betrieben und belebt es nun erneut mit dem Album „Electric Arguments“


tip
Fireman war bisher ein instrumentales Projekt. Diesmal jedoch steht Ihr Gesang im Mittelpunkt.

Paul McCartney Das war gar keine bewusste Entscheidung. Zuerst war ein wenig Backgroundgesang im Gespräch, dann wurde daraus reiner Lautgesang, bis wir uns für Texte entschieden. Es blieb aber total experimentell, vergleichbar mit improvisiertem Theater. Mir selbst machte das regelrecht Angst, denn ich habe mich noch nie ans Mikrofon gestellt, ohne zu wissen, was ich singen werde. Wir schlugen Gedichtbände auf, tippten zufällig auf eine Zeile, übersetzten sie in meine Sprache und machten einen spontanen Text daraus. Ich erfand eine Melodie, und fertig war der Song.

tip Wie kam es nach zehn Jahren zu dieser Neuauflage von Fireman?

McCartney Ich schlüpfe immer dann in den Fireman, wenn ich ein wenig Ablenkung brauche. Auf einer Geburtstagsparty traf ich Youth und bekam einfach mal wieder Lust auf ein Fireman-Album. Wir plauderten darüber, buchten ein Studio und probierten einfach ein paar Ideen aus. Zuvor schickte ich ihm noch eine CD mit Seemannsliedern. Auf dieser Basis pendelten wir zwischen Heavy Rock, Folksongs,
Dance-Tracks und Psychedelia.

tip Fast wie eine Compilation aus verschiedenen Perioden der Rock­geschichte.

McCartney Das war gar nicht unser Plan. Wir sagten uns morgens: Ges­tern haben wir einen Folksong aufgenommen, in welcher Stimmung sind wir heute? Vielleicht spielte ich ein wenig auf der elektrischen Gitarre und war gespannt, wohin uns das tragen würde. Dann nahm ich Bass und Schlagzeug auf, bis der Song immer härter wurde. Diese Stimmung gab den Text vor. Es gab keinerlei Schablone, der wir gefolgt wären. Wir genossen diese Freiheit.

tip Aber wer genießt in der Popwelt schon alle Freiheiten, wenn nicht Paul McCartney?

McCartney Es spielt keine Rolle, wer du bist. Jeder Mensch kann in eine Falle tappen, wenn er sich nicht selbst die Freiheit nimmt, die er braucht. Ich weiß, dass ich alle Freiheiten der Welt habe, aber auch ich nehme sie mir nicht in jeder Situation. Freiheit ist immer mit Risiko verbunden. Es ist natürlich leichter, immer auf der sicheren Seite zu sein, aber hin und wieder will ich auch mal ausbrechen. Für mich ist das ein Luxus.

Das komplette Interview lesen sie im aktuellen tip Heft

Interview: Wolf Kampmann


The Fireman
„Electric Arguments“
(One Little Indian/Rough Trade)

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