Schlafwandler

Sivert Høyem

Ex-Madrugada-Sänger Sivert Høyem tröstet in der Dunkelheit

Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er schläft. So könnte man die Philosophie des norwegischen Musikers Sivert Høyem zusammenfassen, der sich von Madrugada, seiner
ehemaligen, überaus erfolgreichen Indie-Rock-Band, längst freigestrampelt und in diesem Jahr seine sechste Soloplatte veröffentlicht hat. Die erste Single des aktuellen Albums trägt den Titel „Sleepwalking Man“: ein trauriges und zugleich sehr schönes Selbstporträt des 40-jährigen Künstlers, der sich in der Figur des Schlafwandlers wiedererkennt. „Part of me just wants to run and hide“, singt Høyem da in seinem famosen Bariton – und: „People scare me more than pain, you know.“
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Es ist eine Verteidigung der Einsamkeit und eine Ode an die Nacht, die ihm ein Zufluchtsort ist, weil er in ihr – ungestört vom Gerede der Menschen – vor sich hin träumen kann. Solange so großartige Balladen dabei herauskommen, sei ihm die nächtliche Muse gegönnt. In seiner Vorliebe für Moll-Akkorde und Melancholie hat er sich allerdings ein bisschen viel bei Nick Cave abgeschaut. Und bisweilen geht Sivert Høyem in seinem Bemühen, üppig, pathetisch und 80er-Jahre-mäßig zu klingen, eindeutig zu weit. Dennoch hat seine Musik bei aller Dunkelheit etwas Tröstendes – sie ist warm auf eine ausgeruht norwegische Art.

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