Konzerte & Party

Sizarr im Lido

Sizarr

Dass aus so einem zierlichen, zerbrechlich wirkenden Bubi mit blondierter Mähne eine derartige Stimme herauskommen kann, ist fast schon ein Wunder. Jeder, der die tiefen, rauen und vom Timbre her einfach einzigartigen Vocals von Sizarr zum ersten Mal hört, ist überzeugt, der Sänger müsse ein verlebter Typ mit wilder Vergangenheit sein – und mit Faible für Whiskey und Zigaretten. Tatsächlich ist Fabian zarte 20 und stammt wie seine beiden Bandkollegen aus Landau, einem überschaubaren Ort in Rheinland-Pfalz, wenig bekannt für sein Nachtleben. Mit ihrer provinziellen Herkunft zeigen Sizarr also allen, die meinen, für den großen Durchbruch nach Berlin oder London ziehen zu müssen, den Mittelfinger. Die Jungs brauchen keine Metropole, um Musik zu machen, die nicht nur international klingt, sondern auch internationales Niveau hat. Sizarrs „undeutscher“ Sound kommt vor allem durch die verschiedenen Weltmusik-Einflüsse zustande, die raffiniert unter die mehrschichtigen Synthie-Klangteppiche gewoben werden. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist die Percussion-Vielfalt und die damit verbundene anspruchsvolle Rhythmik, die teilweise sogar polyrhythmische Züge aufweist. So zum Beispiel im afrikanisch-angehauchten Track „Cat Mountaineer“. Durch die häufige Präsenz von Streichern und Bläsern setzen Sizarr aber auch klassische Elemente in ihren Sound, ohne verstaubt zu wirken. Die Band ist der beste Beweis dafür, dass die herkömmlichen Musikgenres ausgedient haben.

Text: Henrike Möller

Sizarr, Lido, Mi 17.4, 21 Uhr, VKK: 15 Euro

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