Konzerte & Party

Sleigh Bells im Festsaal Kreuzberg

Sleigh Bells

Das neue Album heißt „Reign of Terror“. Auf dem Cover sieht man ein Paar abgewetzte Schuhe, auf das Blut getropft ist. Allein diese Äußerlichkeiten deuten schon darauf hin, dass es bei Sleigh Bells nicht gerade gemütlich zugeht. Sie sind nur zu zweit, machen aber so viel Alarm wie ein mittleres Polizeiaufgebot. Grund dafür ist Derek E. Miller, dem man die Vergangenheit als Gitarrist der Hardcore-Band Poison the Well nach wie vor anhört. Der Unterschied ist, dass er sich beim Spielen nicht mehr körperlich abreagiert. Er nimmt primitive metallische Riffs auf, speichert sie ab und zerhackt, verfremdet und verzerrt sie dann nach Belieben. Vom Prinzip her muss man sich das wie bei den Beastie Boys zu Zeiten von „Licensed to Ill“ vorstellen, nur noch etwas brachialer. Oder wie bei Queen in „We Will Rock You“. Nun ist es aber nicht das Ziel von Miller, voll auf Konfrontation zu gehen. Als Sängerin hat er sich Alexis Krauss ausgesucht, die sich nicht wie ein Krawallweib aufspielt. Sie kann auch hervorragend das Zarte in der Frau betonen und tut das auch. Damit ist auch die Frage beantwortet, warum von den vielen amerikanischen Indie-Duos, die es in letzter Zeit gegeben hat, ausgerechnet dieses hervorsticht. Sleigh Bells fallen erst mit aller Gewalt über den Hörer her und schmeicheln ihm dann. Erst Peitsche, dann Zuckerbrot. Erst Attacke, dann Melodie. Damit wird das, was man früher mal Noise-Pop nannte, mitreißend auf den neuesten Stand gebracht.

Text: Thomas Weiland

Sleigh Bells, Festsaal Kreuzberg, Mi 7.3., 21 Uhr, VVK: 13 Euro

Mehr über Cookies erfahren