Konzerte & Party

Slime

Slime

Ein Konzert im WDR-Rockpalast gab Slime 1994 den Rest. „Das waren nicht mehr wir“, blickt Schlagzeuger Stephan Mahler zurück. „Alles schien so eingefahren, das war teilweise wie echte Rockshow.“ Und genau dahin wollten Slime eigentlich nie kommen. Sie, die radikalen Polit-Punks und Establishment-Verweigerer, deren Band einer ganzen Szene als Projektionsfläche diente. 1979 in Hamburg gegründet und von den Sex Pistols, The Clash und Ton Steine Scherben inspiriert, schrien sie gleich auf ihrer ersten Platte unsterbliche Parolen wie „Deutschland muss sterben, damit wir leben können“ und „Wir wollen keine Bullenschweine“ heraus.

Resultat waren Auftritte, die Straßenschlachten provozierten, und viel Ärger mit der Bundesprüfstelle. Es war jedoch die Ambivalenz von unreflektiertem Heldenstatus und Sellout-Vorwürfen, die Slime 1984 nach drei Alben erstmals zerbrechen ließen. Sieben Jahre später fand die Band wieder zusammen, nahm zwei Alben auf, bis Slime das Korsett der Vorzeige-Punks abermals zu eng wurde.

Und nun spielen Slime wieder eine Tour. Anlass sei das 30-jährige Bandjubiläum, heißt es mathematisch nicht ganz korrekt. Von der Originalbesetzung sind immerhin noch Sänger Dicken sowie die Gitarristen Elf und Christian dabei. Der revolutionäre Geist hingegen wird wohl eher draußen bleiben.

Text: Roy Fabian

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