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Smoke Fairies: Smoke Fairies

Als Erstes gleich mal ein fetter Motown-Beat – das lässt sich schon als Ansage verstehen bei einem Duo, dessen bislang zwei Alben vor allem für weltentrückten, verwunschenen Folk geliebt werden. Und dann folgt gleich die nächste Irritation: Statt des gewohnten Unisono-Gesangs der beiden Engländerinnen drängt beim Opener „We’ve Seen Birds“ nur noch eine Stimme nach vorne, fest und tief.
Ja, es hat sich was verändert bei den Smoke Fairies. Die kongenialen Partnerinnen Jessica Davies und Katherine Blamire machen das schließlich, seit sie 16 sind. Jack White war begeistert, Bryan Ferry auch, und die Kritik jubelte, dass hier Sandy Denny und Fairport Convention zeitgemäße Erbinnen gefunden haben. Aber inzwischen sind die Folk-Damen Ende 20 und scheuen die Retro-Falle.
Aus dieser Furcht, zu verharren, entstand mit „Smoke Fairies“ nicht nur ihr gewagtestes Projekt, sondern auch das gewichtigste. Zu den mantrahaften Folkharmonien, die nach wie vor das Rüstzeug des harmonischen Duos sind, gesellt sich nun auch Pop-Dynamik, der Wille zu eingängigen Refrains und das begeisterte Spiel mit neuen Gerätschaften.
Auf „Eclipse Them All“ finden Synthesizer Eingang in die Musik, man wähnt sich zunächst bei den unterkühlten Elektro-Franzosen Air, ehe einen der Gesang – erneut Davies solo – warm anzieht, um gleich darauf von einer satten Twang-Gitarre zerschnitten zu werden. Das für die Ladies selbst gewöhnlich gewordene gemeinsame Singen, das jetzt als Topping einsetzt, ist plötzlich nicht mehr profan, es wird wieder zur Krönung des Ganzen.
In Sachen Sorgfalt und Inspiration haben die Arrangements auf diesem dritten Album so rundum hinzugewonnen. Und das Allerbeste: Dies geht nirgends auf Kosten der traumhaften Erhabenheit, die Jessica Davies und Katherine Blamire mehr denn je mit ihrem Gesang evozieren.

Text: Hagen Liebing

tip-Bewertung: Herausragend (6/6)

Smoke Fairies, Smoke Fairies (Full Time Hobby/Rough Trade)

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