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Snow Patrol in der Columbiahalle

Snow PatrolGary Lightbody hat schon oft Vergleiche mit Coldplay gehört. Seine Band Snow Patrol sei ein lauer Aufguss von Chris Martins Edelpop-Truppe. Auf derlei Sti­che­leien reagiert der gebürtige Ire mit Schulterzucken, der Blick bleibt freundlich: „Es ist einfach so, dass es mir Spaß macht, wenn sich möglichst viele Leute von meinen Songs und den Gefühlen in meinen Texten angesprochen fühlen“, sagt er. „Ich habe mir mit den Jahren sogar angewöhnt, immer einfacher zu werden. Eine gute Melodie ist für mich das Wichtigste. Darin sind wir mittlerweile sehr gut.“ Snow Patrols Höhenflug in den Charts, der seit dem Hit „Chasing Cars“ von 2004 nicht mehr aufgehört hat, scheint den schlaksigen Frontmann zu bestätigen. Dabei sind die Klänge des fünften Albums „A Hundred Million Suns“ komplexer als zuvor. Auf den teils im Berliner Hansa-Studio eingespielten Songs experimentieren die Glasgower Elegiker mit unkonventionellen, rhythmusbetonten Klängen. „Irgendwo sind auch mal die Blätter einer Zimmerpflanze zu hören; der Sound war nicht uninteressant“, erzählt der 32-Jährige. Das „Berliner“ Album sieht er als Reifewerk – nach zwölf teils recht erfolglosen Jahren. „Viele Leute hielten uns bis vor Kurzem noch für Newcomer, weil in den ersten zehn Jahren kaum jemand was von uns mitgekriegt hat“, sagt er. Damals war er ein umtriebiger Kopf in der Indie-Szene seiner Wahlheimat, als DJ und treibende Kraft hinter dem Allstar-Projekt The Reindeer Section. So wie er heute fast umbemerkt in Jeans und Sweater durch die Gänge seiner deutschen Plattenfirma trabt, zwi­schenzeitig herzhaft gähnt, ähnelt Gary Lightbody immer noch eher einem Fanzine-Schreiber als einem Popstar. „Ich glaube, wir sind einfach eine langweilige Band“, sagt er – diesmal durchaus kokett.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Steve Gullick

Snow Patrol + Sometree, Columbiahalle, Sa 23.5., 20 Uhr, VVK: 30 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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