Konzerte & Party

So (oder so ähnlich) wird 2009!

Der Öko-Club
In Rotterdam hat letztes Jahr der erste Öko-Club eröffnet, der Clubbetreiber folgte damit einer Entwick­lung, die man auch in Berlin längst bemerkt: Leute wollen nicht mehr nur stumpf konsumieren, sondern sind immer häufiger auch an Nachhaltigkeit und „ökologischer Korrektheit“ interessiert. Leider ist Berlin für eine Öko-Disse nur „mental“ bereit. Der Bau mit ökologischen Materialien erfordert sehr viel Geld – das Letzte, worüber man in dieser Stadt verfügt. Bei uns ist deshalb eher mit Folgendem zu rechen:

Die Öko-Verarsche
Zukünftig wird es mehr Partys mit Untertiteln geben wie: „Wir spenden Teile unserer Einnahmen an Umweltorganisationen“ – das mag von einigen Veranstaltern auch aufrichtig gemeint sein, andere aber schieben das Motto vor und schaffen so Spielraum für Mogelpackungen und Betrug am Gast.

Die Politik

„Living for the Night“ hieß vor Jahren noch das Ravermotto, und alles, was außerhalb des Nachtlebens passierte, war dem Ravehörnchen wurscht. Heute ist politisches Interesse wieder da, und einige der aufregendsten Partys im letzten Jahr gingen Hand in Hand mit politischem Aktionismus wie bei der Demo gegen „Mediaspree“. Die Freude am gemein­samen „Auf­mucken“ bleibt, und 2009 wird weiter (tanzend) demonstriert.

Drogen
Vermutlich werden Alkohol, Kokain, Ecstasy und Amphetamine auch 2009 exzessiv in den Clubs konsumiert werden, hingegen hat der Hype um GHB schon im letzten Jahr nachgelassen – nicht zuletzt wegen der emotionalen Aufklärungskampagne von Veranstalter Dorian Mazurek, der selbst nach einer Überdosis reanimiert werden musste.

Keine Drogen
Fit mit „Clubmate“, high durch Musik und Tanz – was nach Hippie-Humbug klingt, funktioniert am Ende doch. Dufte Stimmung und charmante Hormonverwirrtheit wirken selbst auf nüchterne Menschen ansteckend – wenn auch zeitverzögert. Deshalb: Wagen Sie mal was Verrücktes: Bleiben Sie nüchtern – und flippen trotzdem aus!

Sex
Die Erotikfilm-Aktrice und Produzentin Dolly Buster ist derzeit als DJane auf Clubtour und wird Ihnen sicher gerne bestätigen: Sex im Club bleibt in!

Kein Sex
Ähnlich wie „kein Alkohol“ ist „kein Sex“ 2009 ein Thema, mit dem sich neben jungen Experimentellen auch zunehmend Personen aus der Zielgruppe „weit über 30“ auseinandersetzen (müssen). Jetzt könnten Sie fragen, wozu dann überhaupt noch ausgehen – meine Antwort: Tanzen?

Musik
Berliner Clubmusik bleibt bunt wie ein Patchwork-Teppich: Indie­tronic, Wave, Nu Rave, Dubstep, Electro, Tech-House, Cosmic Dis­co, Minimal – die Liste lässt sich fortsetzen. Zudem werden 2009 die neuen Alben zweier besonderer „P“-Bands erwartet: Presets und Prodigy.

Selbstironie
Das verstärkte Aufkommen von Bad-Taste- und Kostüm-Partys kommt nicht von ungefähr: Auch der letzte Depp hat inzwischen mitbekommen, dass gelebte Selbst­ironie mehr zur Unterhaltung im Club beiträgt als „cooles Getue“ – nur den Leuten in den R’n’B-Clubs hat noch keiner Bescheid gesagt!

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