Konzerte & Party

So unberechenbar

Hagen LiebingDie Rolling Stones haben ihre kurz bevorstehenden Konzerte in Australien und Neuseeland abgesagt, nachdem Mick Jaggers Freundin L’Wren Scott sich im fernen New York das Leben genommen hatte. Schlimm für die Frau und für Jagger, schade natürlich auch für die Fans, die nun erst einmal leer ausgehen. Längst haben auch die Berliner ein wenig Bammel, dass der uns just einen Tag vor dem Selbstmord unverhofft angekündigte Auftritt der Stones in der Waldbühne am 10. Juni nun gleich wieder abgeblasen würde. Aber wer erwartet schon Business as usual nach solch einem Schicksalsschlag? Und wer hätte selbst in solch einer Situation anders gehandelt? Diese nachvollziehbaren radikalen Wendungen lassen mich aber auch an den Zustand denken, den wir alle mittlerweile als ganz normal empfinden: Konzerte werden aus Gründen der Logistik, wegen weltweiter Planbarkeit und sicher auch, weil der Vorverkauf schöne Zinserträge abwirft, mittlerweile oft schon zwei Jahre im Voraus angesetzt. Da ergeben sich für Künstler Lebensperspektiven, wie sie in den heutigen, wirtschaftlich unsicheren Zeiten nicht einmal mehr Beamte haben – jedenfalls, wenn diese beim griechischen Staat in Lohn und Brot stehen, geschweige denn Menschen in der Selbstständigkeit oder in befristeten Angestelltenverhältnissen. Und ehrlich gesagt: Ich möchte eigentlich gar keinen Sängern oder Sängerinnen folgen, deren Aufenthalt und weitgehende Lebensführung in zwei Jahren mir bereits heute bekannt ist, die mir dann aber von der Bühne herab etwas über die Romantik des unsteten In-den-Tag-hinein-Lebens vorsingen werden. Ein wenig mehr Unberechenbarkeit im Popgeschäft wäre schon schön – sie muss ja bitte nicht gleich von einem grausamen Todesfall verursacht werden …

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