Konzerte & Party

Social Distortion in der Zitadelle Spandau

Manches ändert sich bei Mike Ness nie. Etwa, dass es traditionell eine halbe Ewigkeit dauert, bis ein neues Social-Distortion-Album ansteht. Die Songs des neuesten, gerade mal siebten Studiowerks in 30 Bandjahren, sind zwar längst Bestandteil des Live-Programms der kalifornischen Punk-Legende. Dennoch steckt offenbar mehr Perfektionswille hinter Ness’ Songwriting, als man das von einem reifen Skate-Punk denken würde. Die Hit-Fülle seiner Band aber belegt Ness’ Riecher für triftige Melodien: Angefangen bei frühen Brechern wie „Another State Of Mind“, über pogoträchtige Cover-Nummern wie „Ring Of Fire“ bis zu den auch kommerziell durchschlagenden späteren Hits wie „I Was Wrong“.

Trotz millionenfacher Plattenverkäufe verorten sich Social Distortion völlig zu Recht im Underground: jenem schwer definierbaren Ort, der mehr mit einer Geisteshaltung zu tun hat als mit Teenage Rebellion oder Müllsack-Ästhetik. „Beim Punkrock dreht es sich darum, individuell sein zu wollen. Deshalb kapiere ich auch nicht, warum heute alle Punkbands gleich aussehen“, sagt Ness. Nachvollziehbar, dass sich der Genrepionier mit dem zornigen Grollen in der Kehle weniger mit der Gegenwart des Punk befasst als mit den frühen Quellen: Outlaw-Musik aus der Vorzeit des Rock’n’Roll, ob Country oder Blues. Spielarten, mit denen er sich auf bislang zwei Soloplatten beschäftigte. Das nun für den Herbst versprochene neue Album von Social Distortion soll denn auch von klassischen amerikanischen Songwritern inspiriert sein. Die akustische Gitarre spiele eine wichtige Rolle neben den bandtypischen Gitarrenwällen. „Manchmal sind Songs reduziert gespielt stärker, als wenn du den Verstärker aufreißt“, sagt Ness. Green Day und Co. werden eines Tages sicher auch noch darauf kommen.    

Text: Ulrike Rechel


Social Distortion
+ The Bones + The Black Sheep, Zitadelle Spandau
Fr 19.6., 18 Uhr, VVK: 26 Ђ

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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