Serpentinen-Rock

Soft Grid im Urban Spree

Eine wilde Fahrt: Soft Grid rasen im Mittelklasse­wagen durch die Rockgeschichte

Foto: Sara Perovic

Pop und Autos – eine Allianz mit Tradition, funktionieren doch schnelle Wagen bestens als Chiffre für Freiheit und Rebellion. Von den Beatles über Janis Joplin bis hin zu The Clash besangen dutzende Künstler ihre Karossen; Neil Young beschreibt in seiner Autobiografie „Waging Heavy Peace“ gar seitenweise, wie er an seinem 1959er Lincoln Continental herumschraubt.
Warum es nun ein Mittelklassewagen von Toyota der Berliner Band Soft Grid angetan hat, darüber lässt sich spekulieren: Brettert man im „Corolla“, so der Titel ihrer Debüt-LP, wohl besonders lässig durch die jüngere Rockgeschichte? Denn genau das versucht offenbar das Trio, bestehend aus Jana Sotzko von The Dropout Patrol, dem britischen Produzenten Sam Slater und Theresa Stroetges, die sich mit ihrem Projekt Golden Diskó Ship bislang dem experimentellen Pop verschrieben hatte.
Ist der Eröffnungssong „Herzog On A Bus“ mit seinem sägenden Basslauf noch geradewegs in Richtung Darkwaveland unterwegs, drehen Soft Grid schon im nächsten Stück alles auf links: A-capella-Gesang, Electro-Spielereien, schließlich ein peitschender Gitarrensturm. In nur 35 Minuten unternimmt das Trio Ausflüge in Shoegaze, Post-, Noise- und Psych-Rock; Stimmungen ziehen vorbei, verweben oder verlieren sich, bis die Hörerin im Taumel zurückbleibt. Wirklich ankommen wollen Soft Grid scheinbar nirgendwo. Aber das macht einen guten Roadtrip ja auch aus.

Urban Spree, Revaler Str. 99, Friedrichshain, Sa 28.1., 21 Uhr, VVK 10 € (Antime Nacht mit Soft Grid, Hainbach, Abigail, Bad Stream, konkrit)

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