Konzerte & Party

Solander im Privatclub

Die Tänzer auf den Autodächern unterwegs nach Berlin sollen lieber gleich so kraftvoll tanzen, dass die Fenster und Karosserien einreißen. Damit mehr Sonne reinscheint. So draufgängerisch singt Fredrik Karlsson, Mastermind und Gitarrist des schwedischen Folk-Duos Solander, im Song „Berlin“. Und wenn drei Tage lang in Berlin mal nichts passieren sollte, heißt es im Song weiter, dann fordert er reichlich malträtierte Drums, bitte schön, damit er auf den Beinen bleibt. Den trotzigen Texten setzen Solander mit puristischen Arrangements dann aber doch einen Kontrapunkt. Ihr Markenzeichen sind dabei ein nuanciert melodisches Cello und das Xylofon. Auf dem neuen, dritten Album „Monochramatic Memories“ reichern die Schweden ihren Folk jetzt stärker als zuvor mit kleinen elektronischen Elementen an: treibende Drums, feine Synthesizer-Pointen. Und ihre Texte sind tieftraurig geworden, kreisen ums Verlieren und um Reue. Fredrik Karlssons ohnehin schon melancholische Stimme driftet dabei stets während der richtigen Takte ins Fragile. Live kreiert Anja Linna neben den Cello-Melodien auch sphärische Loops. Albin Johannson sorgt für Synthesizer- und Pianoriffs, Adam Hjertströms für den meist peitschenden Beat, der manchmal nach einer Spur Bossa Nova klingt. „Berlin“, ihr größter Song, der aber nie ein Hit war, wird sicher auf der Setlist stehen, wenn die Göteborger in die Hauptstadt kommen, bevor es dann quer durch Europa und in die USA geht. Auf dem Weg zum Konzert bitte auf den Autodächern tanzen. Und dann zwei Stunden sanft lauschen.   

Text: Stefan Hochgesand

Foto: Karin Granstrand

Solander, ?Privatclub, Mi 12.2., 20 Uhr, ?VVK: 12 Euro zzgl. Gebühr 

Mehr über Cookies erfahren