Konzerte & Party

Son Little: Son Little

Son LittleSon Little sieht das offenkundig anders. Er fällt so gar nicht mit der Tür ins Haus. In „I‘m Gone“ kommt es zum Wettstreit mit seiner eigenen vervielfachten Stimme, die Gitarre stößt kurz hinzu und der elektronische Beat tippelt vorsichtig. Ähnliches hat man von diesem Mann schon gehört, als er noch unter seinem richtigen Namen Aaron Livingston in Philadelphia zu Hause war. Vor vier Jahren sang er für die Band The Roots, im gemeinsamen Track „Sleep“ erkannte man bereits einen Hang zu diesem spannungsgeladenen Minimalismus. Auf dem Album „The Abandoned Lullaby“ von Icebird, einer Zusammenarbeit mit Hip-Hop-Produzent RJD2, spielte er enthusiastisch mit allen möglichen Lauten, die aus seiner Kehle drangen.
Der Mann hat also einen Vorlauf. Nun ist es für ihn an der Zeit, andere Elemente auszutesten. In „Toes“ kommt der Rhythmus stärker zum Vorschein und eine nörgelnde Gitarre erzeugt Nähe zu den Black Keys. Mit dem wieder sparsameren „Lay Down“ wagt er einen Flirt mit dem Soul der Sechziger. Der Beat in „Doctor‘s In“ ist vom HipHop beeinflusst, und da parallel das Flair der Südstaaten hineinspielt, darf man an The Meters denken. Und warum wendet sich Son Little in „O Mother“ so verzweifelt an die Frau, die ihn geboren hat? Für seine Verhältnisse ist er ungehalten, wenn er singt: „Why do they treat me like I‘m not a man?“ Es könnte ein junger Mann mit einer Erklärung für ein persönliches Problem sein. Man kann angesichts der Vorgänge in der jüngeren Vergangenheit aber auch Beunruhigung gegenüber wachsendem Rassismus nicht ausschließen. Son Little lässt rätseln und wir finden großen Gefallen daran.

Text: Thomas Weiland

Son Little, Son Little (Anti/Indigo)

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