Konzerte & Party

„SoS – Songs of Suffering“ in der Parochialkirche

SoS - Songs of Suffering

Vielleicht werden einem normalerweise die Ohren durchgespült und die Gehirnwindungen durchdröhnt. Für Heizung aber ist im Regelfall gesorgt. Nicht so bei zwei Konzerten des Berliner Vocalconsorts – eines Ensembles, das durch Mitwirkung bei „Moses und Aron“ an der Komischen Oper jüngst zum „Chor des Jahres“ erhoben wurde (durch die Zeitschrift „Opernwelt“).
Bei „SoS – Songs of Suffering“ wird, solange die Atemfahne weht, in Winterpullis und Angora-Unterwäsche, womöglich sogar mit wolligen Ohrenklappen gesungen. Derweil wird die innerste Seele der Zuhörer umso heimeliger massiert, durchgewärmt und mit Lichtdesign von Arnim Friess erleuchtet. In der Parochialkirche wird Berlins eklatantes Musikversäumnis, das Fehlen von Renaissance-Musik, punktuell behoben. Von Alonso Lobo (1555-1617), einem spanischen Polyphoniker, kommen gleich drei Lamentationes zur Aufführung. Von Thomas Tallis, dem englischen Renaissance-Meister, zwei Klagegesänge. Dirigent und Komponist James Wood, der für das Vocalconsort schon sehr schön Gesualdo rekonstruierte, steuert Eigenes bei.
Keine Frage: Es existiert keine narkotischere, die kalte Umwelt vergessen machendere Musik als die Klagelieder der Renaissance. Mitgebrachte Decken, falls jemand anschließend ins Berliner Nachtleben entschwebt, können vor Ort gespendet werden. Sie kommen, wie die Veranstalter mitteilt, der Flüchtlingshilfe zugute.

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Kristof Fischer

SoS – Songs of Suffering, Parochialkirche, Sa 7.11., 20 Uhr, So 8.11., 18 Uhr, ?Karten-Tel. 288 788 588

Mehr über Cookies erfahren