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Soundgarden: King Animal

KingAnimalDas hätte er nicht tun müssen. Er selbst war ja gar nicht so lange fort. Die beste Zeit ohne seine alte Band hatte er ohne Frage mit Audioslave. Als Solokünstler blieb er zuverlässig hinter den Erwartungen zurück. Das abstruse, von Timbaland produzierte Electro-Pop-Album „Scream“ ist als große Katastrophe in die Geschichte eingegangen. Nun fühlt es sich wieder so an, wie es sein soll. Mit seiner Stimme kann sich Cornell immer noch wie sein Vorbild Robert Plant gegen jede Naturgewalt behaupten. In Gitarrist Kim Thayil steckt die Mentalität eines Quälgeists aus dem Untergrund. Drummer Matt Cameron findet sofort den perfekten Groove, was nicht weiter verwundert. Er hat sich über ein Jahrzehnt lang bei Pearl Jam warmgehalten.

Fans, die Soundgarden vor allem wegen des beeindruckenden Bulldozer-Albums „Badmotorfinger“ lieben, werden das neue Material phasenweise als zurückhaltend empfinden. Neue Maßstäbe in Sachen Wucht und Wahnsinn setzt die Band mit „King Animal“ (Republic / Universal) nicht. Aber sie hatte im Vorfeld ja angekündigt, dass sie da weitermachen wolle, wo sie 1996 mit „Down On The Upside“ aufgehört hatte. Mit erdiger, nicht auf Grunge-Klischees fixierter Rockmusik. Das tut sie in der Tat. „Non-State Actor“ ist ein harter Brocken, in „Bones of Birds“ schimmert der Jazz durch und mit „Attrition“ (Stones) und „Halfway There“ (Beatles) grüßen die Seattle-Legenden noch größere Granden.

Richtig gut wird es nach hinten hin. „Eyelid’s Mouth“ beginnt mit introvertierter Basslinie und endet im Inferno gedoppelter Gitarren. In „Rowing“ watet Cornell durch die Tiefen des Südstaaten-Blues und liefert dabei die memorabelste Zeile des Albums ab: „I don’t know where I’m going, I just keep on rowing“. Spätestens an dieser Stelle ist man unglaublich froh darüber, dass diese Band zurückgerudert ist.

Text: Thomas Weiland  

tip-Bewertung: Hörenswert

Soundgarden, King Animal (Mercury)

 

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