Konzerte & Party

Squarepusher im Astra

SqarepusherVor zehn Jahren wollte es Tom Jenkinson mal wissen. Damals ­veröffentlichte er ein Album mit dem Namen „Do You Know Squarepusher“, ganz geschickt ohne Setzung des Fragezeichens am Ende. Unsere Antwort darauf hätte er sich denken können: Nein. Wie sollte man die blasseste Ahnung von diesem Bastelfreak haben, wenn er dafür sorgt, dass es in seiner Musik ständig drunter und drüber geht? Im „Squarepusher Theme“ auf seinem ersten Album „Feed Me Weird Things“ kombinierte er eine hektisch gespielte Basslinie mit Jazz-Elementen und einem Breakbeat, der vor lauter Hochgeschwindigkeit ständig über sich selbst stolperte. Durch ­“Tundra“ fegte genau die eisige Atmosphäre, die man sich unter diesem Titel vorstellt. Jenkinson produzierte Tracks auf Grundlage von Dub-Rhythmen, inte­grierte Acid-House-Loops und verunstaltete sie, schob zur Beruhigung ein friedliches Gute-Nacht-Lied dazwischen, bevor doch wieder Drum’n’Bass-Terror einsetzte. Dieses Debüt, das nun auch schon sechzehn Jahre alt ist, bildete das Fundament für den unberechenbaren Stil dieses Hexers. Seitdem ist man sich nie ganz sicher, was kommt, wenn er ein neues Album ankündigt. Es könnte etwas Zugängliches wie vor Jahren die Single „My Red Hot Car“ sein. Oder er strapaziert die Geduld seiner Fans, indem er die ganze Zeit nur alleine Bass spielt. Erhellendes über seine jeweiligen Motive gibt er nicht preis. Interviews gibt er kaum und wenn er mal zum Gespräch bereit ist, kennt man Squarepusher danach auch nicht besser. „Einer der Gründe, warum ich Interviews meistens ablehne, ist der, dass innerhalb eines kurzen Zeitrahmens verlangt wird, schlüssig Rechenschaft über ­aktuelle Gefühlslagen und Ähnliches abzulegen. Darüber hinaus habe ich kein Interesse daran, irgendeine Form von Romantisierung meiner Persönlichkeit voranzutreiben“, sagte er vor sechs Jahren auf eine Fan-Frage auf einer Website der BBC.

Die distanzierte Haltung zu jeder Form von Öffentlichkeit ist bei elektronischen Musikern generell nicht unüblich. Anders als die Kollegen im Rock haben sie nie das Rampenlicht gesucht und sehen Optik und Präsentation nicht als essenziellen Bestandteil des Schaffens an. Dennoch erkennt man bei Jenkinson allmählich Anzeichen einer Öffnung. Erst überraschte er mit der maskierten Band ­Shobaleader One, ihren Vocoder-Stimmen, R&B-Anklängen und vergleichsweise geradlinig strukturierten Songs. Mit einer Musik, die mehr mit den Produktionen von Elektro-Funk-Pionier Roger Troutman als mit Breakcore-Gewitter gemein hat. Bei der Produktion des aktuellen Albums „Ufabulum“ hatte Jenkinson nicht nur die Musik an sich, sondern auch gleich die visuelle Seite der Live-Präsentation mit im Kopf. Hauptbestandteil des Konzepts ist ein Video-Synthesizer, über den sowohl Klänge als auch synchron dazu die Signale für die Lichtshow auf einem LED-Bildschirm und auf dem Helm von Squarepusher ausgelöst werden. Es ist eine Gerätekonstellation der Marke Eigenbau, die da zum Zug kommt, aber die Idee ist nicht so neu. Sie erinnert an das futuristische Erscheinungsbild von Daft Punk. Ob man bei all dem Flackern und Flimmern indes mehr über Jenkinson erfährt? Wohl kaum. Es ist unvorstellbar, dass sich dieser Mann je völlig entschlüsseln lässt. Jeder gute Künstler sorgt dafür, dass etwas von ihm immer im Verborgenen bleibt.

Text: Thomas Weiland

Squarepusher Astra, So 30.9., 21 Uhr, VVK: 23 Ђ zzgl. Gebühr

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