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St. Germain: Real Blues

St. Germain: Real BluesDamals waren die Franzosen auf dem Gebiet der elektronischen Tanzmusik omnipräsent, nicht zuletzt dank Navarre, der aus House-Beats und Jazz-Elementen eine echte Einheit formte. Aber dann zog sich der Mann komplett zurück, offenbar zufrieden mit dem Erreichten von drei Millionen verkauften Platten.
Nun ist es raus: Für sein neues Album hat sich der Pariser Produzent jahrelang mit Musik aus Mali auseinandergesetzt. Dabei wollte er nicht einfach an das anschließen, was Damon Albarn, Dan Auerbach, Robert Plant oder Nick Zinner vorgemacht hatten. Er wollte herausfinden, wie er die afrikanischen Einflüsse und Instrumente am besten in seinen spezifischen Kontext überführen kann. Er freundete sich mit dem Gitarristen Guimba Kouyatй an, den kein Geringerer als Brian Eno beim von ihm kuratierten norwegischen Punkt-Festival im Jahr 2012 als einen der besten Gitarristen der Gegenwart bezeichnet hatte.
Durch „Real Blues“ zieht sich, dem Titel angemessen, ein Vocal-Sample von Lightnin‘ Hopkins. Man lässt sich aber auch gerne von der Leichtigkeit verführen, mit der Navarres dezenter Beat, perlende Gitarrenakkorde und lebhafte Perkussion zueinander finden. „Sittin‘ Here“ ist wegen des House-Beats und infektiösen Gesangs ein sicherer Kandidat für die Party. Im weiteren Verlauf, wenn die Musik auch mal introvertierter und ruhiger wird, begeistert Kouyatй mit seinem unvorhersehbaren Spiel. Es soll sechs Jahre gedauert haben, bis die Sessions endlich abgeschlossen waren. Jetzt passt alles wunderbar zusammen und man hört den Songs an keiner einzigen Stelle verkrampfte Studiopräzision an. Chapeau!

Text: Thomas Weiland

St. Germain, Real Blues (Parlophone/Warner)

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