Konzerte & Party

Starthilfe: Das Musicboard Berlin

Musik

Popmusik ist Unterhaltungsmusik und damit kommerziell orientiert. Sie braucht keine Förderung. Ganz im Gegenteil zu sogenannter E-Musik, ernster Kunst also, wie sie Oper oder Ballett praktizieren. Diese muss, um sie zu erhalten, finanziell unterstützt werden.
Sebastian Hoffmann sieht im Musicboard eine Einrichtung, die das Potenzial hat, diese irrsinnige, jedoch seit dem 20. Jahrhundert in Verwertungsgesellschaften wie der GEMA geläufige Trennung zwischen ernster und angeblich unernster Musik endlich und nachhaltig aufzuweichen. „Ich halte es für elementar, dass auch abseitige Nischenmusik aller stilistischer Spielarten einen Platz hat und unter freien, fairen und risikoarmen Bedingungen veranstaltet werden kann“, erklärt er. „Sie ist genauso förderwürdig, gerade weil viele Veranstalter und Musiker unter extrem prekären Bedingungen arbeiten.“
Hoffmann ist Mitorganisator des Down by the River Festivals, einem der 33 Projekte, die das Musicboard im vergangenen Jahr finanziell unterstützt hat. Mit der Fördersumme von rund 7000 Euro wurden die Gagen der Berliner Künstler bezahlt, die man sonst nicht hätte adäquat entlohnen können. Als Event mit Fokus auf Underground Acts gehört es zu den Begünstigten des Förderprogramms „Karrieresprungbrett“. Unter dieser Rubrik bezuschusst das Musicboard Projekte, die Nachwuchsmusikern eine Darstellungsplattform bieten oder sie auf ihrem Weg der Professionalisierung unterstützen. Wie beispielsweise das neu aufgebaute Bandbüro ORWOhaus in Marzahn, das inzwischen als Anlaufstelle für alle praktischen Belange des Bandalltags fungiert. „Wir informieren über bestehende Angebote und vermitteln zielorientiert und je nach Bedarf an entsprechende Stellen und Dienstleister“, erklärt Projektleiter Geoffrey Vasseur, „also zu Tonstudios, zu geeigneten Festivals oder zu passenden Fördertöpfen für ihre Vorhaben als Band.“
GitarreEine andere Art des Artist-Development beabsichtigt das von Motor Entertainment konzipierte Projekt „Newcomer Rent-A-Recordcompany.“ Es hilft Berliner Künstlern bei der Veröffentlichung ihres Albums, indem es die Kosten für Pressung, GEMA und Promotion übernimmt. Die Rechte am Material bleiben dabei bei den Bands. „Wir haben durch die Öffentlichkeitsarbeit sehr gute Reaktionen aus der Presse bekommen und können dank der Medienaufmerksamkeit jetzt viel mehr und auch viel besser besuchte Konzerte spielen“, sagt Jascha Kreft, Mitglied der Psychedelic Band Suns of Thyme.
Eine noch unmittelbarere Unterstützung, die direkt am Musiker ansetzt und damit für Deutschland einzigartig ist, wird über das Förderprogramm „Stipendien und Residenzen“ ermöglicht. Je nach künstlerischem Vorhaben steht den Teilnehmern ein Budget von bis zu 9000 Euro zur Verfügung, das über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten ausgezahlt wird. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass das zuvor eingereichte Konzept die Jury, bestehend aus Experten der Musikwirtschaft, überzeugt. Knapp 150 Anträge trudelten im vergangenen Jahr ein, für elf habe man sich entschieden, erzählt Katja Lucker, Musikbeauftragte des Landes Berlin und Leiterin des Musicboards. „Wir wollten jetzt natürlich nicht die fördern, die schon ganz groß sind, aber auch nicht die, die erst angefangen haben. Wir haben geschaut: Wer ist gerade auf dem Weg? Hat das Projekt eine reelle Chance?“, erklärt sie das Auswahlverfahren. Ein Großteil der Begünstigten nutzt das Geld, um Studio oder Proberaum zu mieten, Produzenten und Tontechniker zu engagieren oder Equipment zu kaufen.

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