Konzerte & Party

Statusfragen

Hagen LiebingAls Element-Of-Crime-Sänger Sven Regener kürzlich ein Radiopublikum per Stegreifmonolog wissen ließ, dass er ziemlich sauer darüber sei, wie seine Urheberrechte durch illegale Downloads mit Füßen getreten werden, löste er einen sogenannten Shitstorm aus. Netzpiraten und Hobby-Musiker unterstelllten dem Dichter und Denker piefige Besitzstandwahrung.
Ihr Argument gegen Geld für Musik: Meine (Hobby)-Klänge stehen ja auch gratis im Netz und ich komme mit Jobs irgendwie über die Runden. Mag sein, aber weder kennen viele Leute die Musik dieser Kritiker, noch haben sie sich einen Namen jenseits der Web- Pseudonyme gemacht.
Regener hingegen singt und schreibt bekanntermaßen gute Songs, verfasst zudem auch noch geistreiche und unterhaltsame Bücher – nicht nur Gewerkschafter gönnen ihm dafür einen angemessenen Lohn und gerne auch Wohlstand.
Davon abgesehen: Was wäre die Alternative der Netzpiraten? Ein tantiemenloser Regener, der ohne Plattenfirmenvorschuss unter schlechten Bedingungen unausgegorene Songs aufnimmt. Schließlich muss er statt zu komponieren erst einmal seine Steuerformulare (wahlweise Hartz IV) bearbeiten. Weiteres Dichterpotenzial fließt in einen Pressetext, den der Sänger in Ermangelung einer Promo-Agentur nun selber schreibt und gleich auch persönlich verbreitet, gemeinsam mit einer selbst gebrannten CD, deren Inhalt demnächst dann irgendwo auch zum Download bereitstehen soll. Bei aller Vorfreude auf einen persönlichen Pressetextvortrag Sven Regeners in der tip-Redaktion –  mir gefällt es dann doch besser, wenn der Künstler sich weiterhin auf seine Kernkompetenzen konzentrieren kann. Da haben wir alle mehr davon.

Foto: Harry Schnitger/tip

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