Konzerte & Party

The Staves im Grünen Salon

Staves

Heute sind junge Musiker doch fein raus. Sie beziehen sich einfach auf die Plattensammlung ihrer Eltern, lassen sich die Geschichten dazu erzählen, schlüpfen in ein Retroblüschen und schmücken wohlvertraute Klänge mit dem alles entwaffnenden Charme ihrer Jugend. Die drei Schwestern Emily, Jessica und Camilla Staveley-Taylor aus dem nördlich von London gelegenen Watford schauen zufrieden auf ihre stetig wachsende Fangemeinde, deren Altersspanne locker zwischen 17 bis 70 liegt.  Gute Musik ist für alle da, sagt Jessica und zählt einen mainstreamigen Katalog an Lieblingsmusik auf:  Beatles, Crosby, Stills, Nash & Young, Simon & Garfunkel, The Eagles, Mamas & Papas, die Traveling Wilburys, Bob Dylan, Joni Mitchell, Carole King, jede Menge Motown und Sixties Pop, Abba und Queen waren auch dabei. „Niemand hat bei uns zwischen cool oder uncool unterschieden.“ Trotzdem waren sie in der Schule eher Freaks, denn während sich alle anderen wie üblich an die Charts hielten, bildeten die Schwestern eine verschworene Gemeinschaft, deren natürliche Konkurrenz untereinander beim Erwerb unterschiedlicher Tops endete. In ihren berauschenden, nie aufdringlichen Harmoniegesängen schmiegen sie sich eng aneinander. Mit typisch anglikanischem Düsterfolk haben sie nichts am Hut. Sie erzählen nicht von Schiffsuntergängen oder Ächtungen minderjähriger Schwangeren, die oft zarten Song der Staves entspringen ihrer eigenen Welt, und dabei setzen sie weniger auf einfache Melodien als auf den Zauber epischer Achterbahnen, deren Suchtfaktor nach dem zweiten oder dritten Hören unausweichlich ist. „Wir schreiben über unsere Gedanken und Gefühle, fast wie eine Therapie, um in Situationen und Erfahrungen Sinn zu finden. Ich liebe Storytelling, aber es wird gerade im Folk oft zu speziell.“ Und bitte auch keine Angst vor Naturbetrachtungen, der Blick in die Landschaft kann manchmal mehr ausdrücken als der direkte Blick ins Herz. Insgesamt ist die Musik der Staves vielleicht eine Spur zu harmlos, den düsteren Blues von Smoke Fairies etwa sucht man hier vergebens, dafür aber sind The Staves weit entfernt von der brachialen Kommerzialität von Haim, hier darf noch geatmet werden.

Text: Christine Heise

Foto: Rebecca Miller

The Staves, ?Grüner Salon, Do 26.9., 21 Uhr,  VVK: 15 Ђ zzgl. Gebühr

Mehr über Cookies erfahren