Konzerte & Party

Stefan Goldmann: Parameter

Stefan GoldmannWenn Stefan Goldmann abschalten will, steigt er aufs Rad und lässt sich durch Berlin treiben: an verlassenen Zweckbauten entlang, verfallenen Industriehöfen und modernen Ruinen. Die Orte, an die es den DJ und Techno-Produzenten intuitiv zieht, tauchen jetzt in einem Film über ihn auf. „Parameter“ heißt das Porträt von Michael Schade und Thomas Kipke, das auf Goldmanns hauseigenem Macro-Label als DVD erscheint, drei Monate vor dem neuen Studioalbum des Berliners. Was zunächst nur als Kurzfilm im Rahmen einer Studienabschlussarbeit geplant war, wuchs sich zum rund 40-minütigen Film aus. Das Filmteam begleitet darin Goldmann und seinen Interview-Partner, den Journalisten Tobias Fischer, durch die persönliche Stadtlandschaft des Musikers; neben malerischen einsamen Brachen zählen dazu auch Stammadressen der Berliner DJ-Kultur wie die Soju Bar, das D&M-Mastering-Studio oder der Hard-Wax-Plattenladen in Kreuzberg. Hier sinniert der sympathische Techno-Experimentalist über seine Sicht auf die eigene Kunst, die sich nicht einzwängen lässt in die Parameter funktionaler Clubmusik. Wie er den eigenen Beruf bezeichnen soll, weiß der Mittdreißiger nicht genau: DJ? Musiker? Komponist? Einfacher ist es, über musikalische Visionäre zu schwärmen wie Stravinsky oder Miles Davis – für ihn sind es Vorläufer in Sachen Loop, Edit oder Remix. In den teils spontanen Interviews vermittelt sich schnell das musikalische Offenheitsprinzip des Erfinders des „Elektroakustischen Salons“ im Berghain. Es geht darum, Neues auszutesten, beispielsweise gängige Klangquellen oder Elektronik-Tools zweckzuentfremden oder Sounds zu entdecken. Goldmanns Arbeit ist da ähnlich spontan wie seine Radtouren durch die Randregionen der Stadt.

Text: Ulrike Rechel

Stefan Goldmann: Parameter (DVD, 41 Minuten, Regie: Michael Schade, Thomas Kipke, Macro)

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