Konzerte & Party

Stefan Hochgesand kommentiert: Sound of Berlin

Stefan Hochgesand

Jetzt wissen wir auch, warum Spotify unsere Daten von 20 Milliarden gespielten Songs gespeichert und akribisch ausgewertet hat: für die Soundmaps. Klanglandkarten für 1.000 Städte weltweit. Klingt fantastisch! Kann ich jetzt sehen, welche Nummern meine Nachbarn in Neukölln streamen? Punk-Pop in Prenzlauer Berg und Hip-Hop in Halensee? So ausgewieft ist das heiße Spotify-Ding dann doch nicht. Es spuckt bloß eine Playlist mit Titeln aus, die in Berlin im Vergleich zu anderen Städten exorbitant viel gespielt werden.
So jemand wie Paul Kalkbrenner fehlt da natürlich, weil von dem ja bloß alle Nicht-Berliner denken, dass alle Berliner ihn hören würden. Nee, stattdessen ganz oben: „You Need the Drugs“ von WestBam. Dann ganz viel K.I.Z., wie überall in Deutschland. Aber eben nicht „Geld“ (das sonst im Lande boom-boom-boomt), sondern „Freier Fall“ – wir armen Artisten! Und die Beatsteaks, die kürzlich in der Wuhlheide (wie auch auf unserem Cover) gefeiert wurden. Aber auch Überraschungen vom Lande: zum Beispiel die süßen Indie-Rocker Sizarr aus Landau. Okay, die sind toll und werden nicht nur in der Exil-Pfälzer-Community geschätzt.
Was will uns Spotify mit der ganzen Geschichte aber eigentlich verklickern? Was sagt die 100-Song-Playlist mit sechs-ein-halb Stunden Spielzeit über die Stadt? Halten wir es doch mit der Wahlberliner Sängerin Leslie Clio (natürlich auch auf der Liste): „Fuck what they told ya!“

Text: Stefann Hochgesand

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