Konzerte & Party

Steve Winwood im Gespräch

Steve Winwood

Mit exquisiter Begleitband wird Steve Winwood am Freitag (12.7.) im Admiralspalast Songs aus all ­seinen Schaffensperioden präsentieren – von der ­Spencer Davis Group, Traffic, Blind Faith über seine Solojahre bis heute. Tip-Autor H.P. Daniels hat am Telefon mit dem Briten gesprochen.

tip Hallo, Mr. Winwood, wo sind Sie zurzeit?
Steve Winwood In England, in meinem Haus auf dem Land in Gloucestershire, wo ich auch mein Studio habe. Regnet gerade mal wieder.

tip Ich hab Sie erst zweimal im Konzert gesehen. Das letzte Mal war 2010 …
Steve Winwood … auf der gemeinsamen Tour mit Eric Clapton?

tip Nein, kurz darauf mit Ihrer eigenen Band im Berliner Tempodrom. Und davor hab ich Sie in München gesehen.
Steve Winwood Wann war das?

tip Dezember 1966, mit der Spencer Davis Group …
Steve Winwood Oh, das ist interessant, das ist ja schon eine Weile her. (lacht)

tip Zwischen den beiden Konzerten liegen 44 Jahre. Dazwischen haben Sie in den unterschiedlichsten Formationen mit verschiedensten Musikern gespielt. Hätte ich die Gelegenheit gehabt, noch ein drittes Konzert von Ihnen zu besuchen, welches würden Sie rückblickend aus heutiger Sicht empfehlen?
Steve Winwood (lacht) Das ist ja eine nette Frage. – Traffic! Auf jeden Fall Traffic …

tip … die Band, die Sie 1967 mit Jim Capaldi, Chris Wood und Dave Mason nach Ihrer Zeit mit der Spencer Davis Group gegründet ­haben.
Steve Winwood Ja, Traffic war für mich ein wirklicher Wendepunkt. Mit der Spencer Davis Group haben wir in den 60er-Jahren versucht, den amerikanischen R&B, den wir liebten, zu imitieren und unserem Publikum nahezubringen. Wie es anfangs auch andere Bands gemacht haben – von den Stones bis zu den Who … und vielleicht auch sogar den Beatles.

Steve Winwoodtip … und Traffic?
Steve Winwood Wir wollten nicht mehr andere kopieren, sondern etwas Eigenes machen. Wir haben dann versucht, ganz verschiedene musikalische Elemente miteinander zu verbinden: den ursprünglichen R&B mit keltischer Folkmusik, afrikanischer, karibischer und lateinamerikanischer Musik. Auch Jazz …

tip … der sich ja in den späten 60ern auch ein bisschen an die Rockmusik annäherte.
Steve Winwood Ja, Miles Davis zum Beispiel benutzte plötzlich Wah-Wah-Pedale, worüber sich die Puristen aufregten. Mit Traffic vermischten wir all diese verschiedenen Formen, sogar noch mit ein bisschen klassischer Musik. Das war ziemlich ungewöhnlich für die Zeit, etwas schrullig und alles andere als Mainstream. Ja, ich hätte ein Konzert mit Traffic empfohlen. In deren frühen Phase, als wir noch ein Trio oder Quartett waren. Oder später, als wir ein paar Muscle-Shoals-Musiker in der Band hatten. Das war auch gut.

tip Schon als Teenager konnten Sie singen wie Ray Charles …
Steve Winwood Der Rock?’n’?Roll entstand aus einer Mischung aus Country, R&B, Gospel und Jazz. Ray Charles verkörperte all diese Formen. All diese Elemente, aus denen der Rock?’n’?Roll entstand. Das fand ich toll – und natürlich seine wunderbare Art zu singen …

tip Über Sie hieß es immer: Winwood hat eine „schwarze Stimme“. Haben Sie eine Erklärung dafür, was eine typische „schwarze Stimme“ ausmacht?
Steve Winwood In Anbetracht der Tatsache, dass es ja auch schwarze Opernsänger gibt, denke ich, dass es eine typisch schwarze Stimme nicht gibt. Ich glaube, das hat mehr seinen Ursprung in der ethnisch folkloristischen Musik der Schwarzen. Diese besondere Art, wie die Töne angegangen und miteinander verbunden werden.

tip Aber wie haben Sie selbst das so gut hinbekommen?
Steve Winwood Ich hatte ein ziemlich gutes Gehör, sodass ich diese feinen Unterschiede genau hören konnte, wie die Töne klingen mussten.

tip Wie haben Sie es eigentlich geschafft, dass Sie trotz all des Rockstarrummels und des damit einhergehenden Irrsinns im Gegensatz zu einigen Ihrer Kollegen in den 60ern und 70ern ein relativ „normaler“, bodenständiger Mensch geblieben sind?
Steve Winwood Ich war schon lang Musiker, bevor das anfing mit dem Berühmtsein. Ich war schon Instrumentalist, bevor ich Sänger wurde, als ich als Kind in der Tanzband meines Vaters mitgespielt hab. Aber ein bisschen verrückt war ich dann später auch eine Zeitlang. Nur dass es bei mir eher introvertiert war als extrovertiert …

Interview: H.P. Daniels

Steve Winwood, Admiralspalast, Fr 12.7., 20 Uhr, VVK: 45–60 Euro zzgl. Gebühr

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