Kommentar

„Störsignale“ von Stefan Hochgesand

Santigold hat kürzlich bei ihrem Berlin-Konzert im Huxleys Fans aus den ersten Reihen dazu animiert, die Bühne zu stürmen.

Stefan Hochgesand

Dirket mit der dringenden Bitte, hier oben bloß keine Fotos zu machen, sondern einfach den Moment zu genießen. Und klar, kurz war da diese Versuchung, das „Smart“-Phone zu zücken und meinem Freundeskreis zu posten, dass ich gerade neben Santigold tanze. Zum Glück war sie streng.
Denn eigentlich nerven mich die Menschen auf Konzerten, die permanent auslösen. Ich bin ja nicht photophob, aber ich verstehe nicht, warum Leute nicht aufmerksamer lauschen oder schauen wollen, sondern lieber in die Konserve pressen. Letztens standen zwei Männer vor mir, die quasi ein ganzes Konzert „mitfilmten“ und derweil lautstark über diesunddas plauderten. Das soll ein toller Konzertbesuch sein?
Stars wie Guns N’ Roses oder Alicia Keys lassen mittlerweile Handys versiegeln bei ihren Konzerten. Ebenso wie Skepta kürzlich im Berghain. Adele hat eine Frau sogar zurechtgewiesen. Ich muss gestehen, ich finde das super sympathisch.
Jetzt frag ich mich aber, ob das hier nicht zu viel des Guten ist: Apple hat offenbar ein Patent fürs iPhone durchbekommen, um die Dinger (etwa während Konzerten) per Infrarot-Signal davon abzuhalten, Fotos oder Videos aufzuzeichnen. Eine Welt ohne diese Big-Brother-Störsignale ist mir lieber, trotz Störfotos.
Santigold hat sich übrigens herzlich bedankt fürs Nichtknipsen im Huxleys. Schöne neue Welt. Es lebe das Leben in live.

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