Kommentar

„Stoned“ von Stefan Hochgesand

Es gab auch Zeiten, als die Steine noch Eier hatten: Den letzten Auftritt ihrer Comeback-Tour 1989 ließen die Rolling Stones zwar vom Trump Plaza Hotel And Casino sponsern, aber nur mit diesem Deal: Donald Trump darf gerne Knete rüberwandern lassen – soll aber bitteschön nicht zum Konzert erscheinen. Äh. Wie geil ist das denn?

Stefan Hochgesand

Schon damals keine Spur „Sympathy for the Devil“, sollte der auch noch so sehr „Gimme Shelter“ winseln. Doch wie inzwischen alle Welt weiß, bläst Donald Trump jede Abmachung in den Wind, um seine Satisfaction zu bekommen. So schmuggelte er sich in die Location und gab eine spontane Pressekonferenz. Keith Richards soll daraufhin in den Presseraum gestürmt sein und ein Messer in den Tisch gesäbelt haben. „Entweder geht er – oder wir!“ Da musste sich selbst Trump geschlagen gegeben.
Auch 2017 dealen die rüstigen Rock’n’Roller mit den Konservativen: Tickets für die Deutschland-Auftritte im Herbst gab’s erstmal exklusiv über die „Bild“-Zeitung. Heißt: wenn man deren Digital-Service abonniert. Wer aufs Konzert geht, teilt sich die Arena zu 100 Prozent mit „Bild“-Lesern. Lecker. So spielte das Leben zumindest vor drei Jahren, als „Bild“ die Waldbühne ausverkaufte. Witzig wäre es, wenn die Stones gesagt hätten: „Ihr dürft unsere überteuerten Tickets verhökern – aber Kai Diekmann soll bloß nicht zum Konzert auftauchen.“ Ach nee, der ist ja jetzt bei Taxi-Uber. Die Messer der Stones  bleiben in der Tasche. Sie haben eben keinen Schneid mehr.

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