Rock

Strand of Oaks im Privatclub

Bei Strand of Oaks liegt die Wahrheit nur ein Gitarren-Riff entfernt

Foto: Maclay Hariot

Katharsis ist eine wunderbare Sache, wenn man gerade eine Gitarre zur Hand hat. Bei Timothy Showalter (alias Strand of Oaks) liegen jede Menge Dinge im Argen. Erheblicher Suff, heftige Ehe-Kalamitäten, herzhafter Drogengebrauch, ein schwerer Autounfall, der Beinahe-Tod seines Bruders. Sein neues, fünftes Album „Hard Love“ ist nach „Heal“ (2014) die zweite Strand-of-Oaks-Platte, bei der Showalter seine autobiografische Unrast nicht in folkigen Americana-Arrangements feinzeichnet, sondern mit psychedelischem Indie-Rock auf seine zahlreichen Dämonen losgeht und dabei gelegentlich an die, wie er selbst, in Philadelphia beheimateten The War On Drugs erinnert. Dem besten „Heal“-Stück, dem Opener „Goshen ’97“ (Referenz an die Kleinstadt in Indiana, in der Showalter aufwuchs) gab J Masics mit seinem markanten Gitarren-Riff einen Dinosaur.-Jr.-Touch. „Hard Love“ nun führt, besonders mit der noisigen Single „Radio Kids“, diese Wucht fort, ist aber eklektischer, ambitionierter, vielleicht auch unsortierter, mäandernd zwischen 1970s-Garage-Rock und Dub-Echokammern. Aber allein das druffige 8-Minuten-Schlussstück mit dem vielsagenden Titel „Taking Acid And Talking To My Brother“ schleppt sich hypnotisch wie direkt ins Unterbewusste hinein, schöne Grüße auch an The Grateful Dead. Und all die Wunden, sie heilen nicht, nicht so schnell, nicht leicht. Aber Tim Showalter ist ehrlich zu sich selbst. Und dann ist die Wahrhaftigkeit nur ein Gitarren-Riff entfernt.

Privatclub Skalitzer Str. 85-86, Kreuzberg, Sa 25.2., 20 Uhr, VVK 18,20 € zzgl. Gebühren

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