Konzerte & Party

Strange Boys im Rosis

The Strange Boys

Austin gilt als kleines Mekka der Indie-Kultur. Dort ist mit dem SXSW-Festival das wichtigste Musiktreffen der Szene zuhause. Praktisch, dass die Strange Boys ohnehin in Austin leben, somit Heimvorteil genießen und bei der Festival-Koordination seit Jahren als Live-Act gesetzt sind. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis Rough Trade-Gründer Geoff Travis aufhorchte und den jungen Texanern einen Plattenvertrag anbot. Auf dem Debüt-Album fürs Londoner Kultlabel klingt die Band so, als wäre sie damals dabei gewesen, als sich die ersten Rock’n’Roll-Combos gründeten. Stilecht prägt ein Grundknistern und -knacken den Minimal-Blues des Quartetts. Man könnte dies für Altersspuren halten; vielleicht aber hat ein Bandmitglied auch nur seine Jacke auf den Vier-Spur-Rekorder gelegt. Beides würde zum rauen Charme der Band passen. Hauptdarsteller ist der singende Gitarrist Ryan Sambol, dessen schludriges Sprechsingen mitunter an Bob Dylan erinnert. Rocklegenden-Mimikry aber hat Sambol gar nicht nötig. Das wird deutlich, wenn sich der Taktschlag seiner Band verlangsamt und die Aufmerksamkeit plötzlich auf seinen Zeilen ruht. Dann offenbart sich hinter dem verkaterten Ersteindruck ein außergewöhnlicher Songpoet mit scharfem Sinn zur Verknappung. In „Walk On The Bleach“ verblüfft die tiefe Abgeklärtheit des Jungspunds: „Life has changed on you again, something born, something dead“. Für knietiefen Existentialismus wie diesen erweist sich der schnodderige Tonfall der Strange Boys als goldrichtig.

Text: Ulrike Rechel

Strange Boys + Chuckamuck, Rosis, Mi 21.7., 21 Uhr, AK: 10 Euro

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