Konzerte & Party

Streaming-Dienste im Test

Musik immer und überall

Über viele Jahre waren „Internet“ und „legale Musik-Downloads“ zwei Begriffe, die nicht so recht zusammengehen wollten. Die Musikindustrie jammerte um ihre Umsätze, konnte jedoch über lange Zeit auch keine Lösungen anbieten. Download-Plattformen wie iTunes oder – nach langen Rechtsstreitigkeiten – auch Napster konkurrierten mit sogenannten File-Sharing-Plattformen, die Musik im Gegensatz zu den Kaufportalen kostenlos anboten, auf denen sich der User jedoch stets auch in einer rechtlichen Grauzone bewegte.
Das große Problem für die Musikindustrie blieb jedoch bei beiden Möglichkeiten bestehen: Songs wurden als Datei auf den Rechnern der User gespeichert und konnten von dort entweder ohne Probleme in alle Richtungen kopiert und an Freunde und Bekannte weitergegeben werden, oder ein umständlicher Kopierschutz sorgte für ein hohes Frustpotential beim User, wenn dieser seine gekauften Songs vom PC auf den MP3-Spieler oder das Mobiltelefon übertragen wollte.
In jüngster Zeit jedoch zeichnet sich nun eine Lösung an, die erst mit immer schneller werdendem und vor allem inzwischen fast überall verfügbarem Internet möglich wurde: Das Zauberwort heißt „Musik-Streaming“. Songs und Alben werden nicht mehr beim User auf irgendwelchen Datenträgern gespeichert, sondern in dem Moment, in dem sie gehört werden wollen per Internet oder auch Mobilfunknetz an das Endgerät übertragen. Der User bucht sich über eine Flatrate beim jeweiligen Anbieter ein und hat dadurch den Vorteil, stets auf die nahezu unbegrenzte Bibliothek des Anbieters zurückgreifen zu können, ohne sich zu Hause ganze Batterien eigener Festplatten anlegen zu müssen, auf denen der eigene Fundus gespeichert wird.
Wie bei allen Erfolgsmodellen sprießen auch im Bereich des Musik-Streamings in den letzten Monaten die Anbieter wie Pilze aus dem Boden. Wir haben uns deshalb mal im Internet umgesehen und zumindest die größeren Anbieter etwas genauer unter die Lupe genommen. Schnell stellte sich nämlich heraus, dass die Unterschiede der Streaming-Dienste im Detail liegen.

Musik-Angebot

Musik auf die OhrenFür alle Musikliebhaber am wichtigsten: Was wird überhaupt angeboten? Werde ich bei den Plattformen nur im Bereich des Mainstream fündig und kann mir nur die Musik anhören, die ich im Radio auch hoch und runter gespielt bekomme?
Was die Verfügbarkeit von Musik und damit die Größe der Musik-Bibliothek angeht, bewegen sich inzwischen alle Anbieter bei der Menge der angebotenen Songs im zweistelligen Millionenbereich. Aktuelle Musik, die man in jedem CD-Laden kaufen kann, ist bei allen Anbietern uneingeschränkt verfügbar. Dabei ist es egal, ob es sich um Pop-Musik, Schlager oder auch Heavy Metal handelt. Schwieriger wird es bei Alben, die in Deutschland nur als Import erhältlich sind. So fanden wir z.B. das 2011er-Album „Billy Jack“ von Honey Honey nur bei Spotify, während unsere Suche bei allen anderen Anbietern ins Leere lief. Andere Alben wiederum fanden wir z.B. bei Wimp, während Spotify dann wieder vermeldete, dass die Suchanfrage keine Treffer ergab.
Auch bei Klassikern wird es mitunter schwierig. Während wir den 80er-Jahre-Hit „I ran“ von A Flock Of Seagulls bei allen Anbietern genauso problemlos fanden wie den 70er-Jahr Rock-Klassiker „Child In Time“ von Deep Purple, wurde es bei Hoyt Axton schon schwieriger. Bei allen Diensten wurden zwar diverse „Best Of“-Alben ausgespuckt, sein 1964er Album „Explode“ sucht man jedoch durchweg vergeblich.

Kosten

Netz-EmpfangWer einen werbefreien Zugriff auf die Musik-Bibliothek eines Streaming-Dienstes haben will, muss dafür früher oder später bezahlen. Und da der Musik-User schließlich immer und überall auf „seine“ Songs und Alben zugreifen will, bieten die verschiedenen Dienste inzwischen ausschließlich sog. Flatrates an. Soll heißen: Man bezahlt einen Monatsbeitrag und bekommt dafür unbegrenzten Sound auf die Ohren. Bei den Preisen für eine Monatsflatrate unterscheiden sich die verschiedenen Anbieter nur im Cent-Bereich. Wer Musik ausschließlich auf dem PC hören will, zahlt meist 4,99 Euro. Einzig Napster schlägt hier nach oben aus und verlangt für die Nutzung am PC 7,95 Euro. Für 9,99 Euro ist bei allen Anbietern dann die Nutzung des Streaming-Dienstes auf portablen Geräten wie Smartphone oder Tablet-PC möglich. Vorteil dieser sog. Premium-Flats ist auch: Man kann die Musik, die man gerne hört, auf den Mobilgeräten speichern – und somit auch hören, wenn man unterwegs mal kein Internet hat. Aber Achtung: Auch Songs, die auf dem Mobilgerät gespeichert sind, kann man sich ausschließlich mit der App des Musikdienstes anhören – beendet man sein Abo, sind die Songs nicht mehr verfügbar. Als einziger Dienst bietet Music Unlimited keine Nutzung auf mobilen Geräten an. Beim Musikdienst von Sony ist dafür die Möglichkeit gegeben, die Songs auch auf der Playstation 3 abzuspielen. Um das Angebot kennen zu lernen bieten alle Dienste eine Testphase an, die jedoch von Anbieter zu Anbieter sehr variiert.
MyJuke
und rdio bieten sieben Tage freies Musikhören, während man bei Simfy, Spotify oder Wimp zunächst 30 Tage kostenlos testen darf. Ärgerlich bei unserem Test: rdio verspricht sieben Tage Testphase, dafür wird man vom ersten Moment mit Spam-Mails bombadiert und nach drei Tagen heißt es dann plötzlich: Deine Testphase ist soeben ausgelaufen.
Simfy ist da schon großzügiger und bietet für neue Nutzer – neben der 30-Tage-Testphase für die Premium-Flatrate – auch ein Paket „Simfy Free“ an: Hier kann man zwei Monate kostenlos 20 Stunden pro Monat Musik hören. Auch Spotify bietet kostenlose Musik an – unterbricht das Musikvergnügen dafür jedoch mit Werbung. Achtung: Bei einigen Anbietern, wie z.B. Spotify muss die Anmeldung während der Testphase wieder gekündigt werden, sonst geht diese automatisch in ein kostenpflichtiges Abo über.

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Foto oben: nimkenja / pixelio.de

Foto mittig: Lisa Spreckelmeyer / pixelio.de

Foto unten: Gerd Altmann / pixelio.de

 

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