Konzerte & Party

Sturgill Simpson im frannz Club

Sturgill Simpson

Um sich auf Festivals wie Lollapalooza als Country-Act zu behaupten, muss man entweder Willie Nelson heißen oder als Newcomer mehr als nur besonders sein. Sturgill Simpson schlägt hohe Wellen, seit er seine alte Band Sunday Valley zugunsten einer Solokarriere verließ und nach seinem 2013er Debüt „High Top Mountain“ das zweite Album „Metamodern Sounds in Country“ nannte. Natürlich macht das neugierig, denn kaum einem Genre liegt das Stigma Traditionalismus so quer im Schlund wie dem Country. Erneuerung endet hier nur allzu oft in der Auto Tune Hölle und in den Popcharts ohne Liebe zu den Roots zu bewahren. Der Mann aus Kentucky versteht es, Real Country Fans einerseits zu locken, andererseits herauszufordern. Zum Beispiel indem er den Song „It Ain’t All Flowers“ in bester Sgt. Peppers-Manier rückwärtslaufen lässt, den Rhythmus Richtung Funk ändert und wie von der Tarantel gestochen dem Stigma „Country“ davonläuft. Sich als böser Bube empfiehlt, wenn er seine diversen Drogenerfahrungen ausbreitet und mit existentialistischem, metaphysischen Gedankengut aus Wissenschaft, Religion und Spiritualität die intellektuelle Belastbarkeit seines Publikums testet. Dazu hat ihm seine tiefe, resonanzreiche Stimme selbst von dessen Sohn Shooter den Vergleich mit Waylon Jennings eingebracht. Der neben Conway Twitty und George Jones zu seinen Vorbildern zählt, ihn stolz auf einen Auftritt in der Grand Ole Opry sein lässt und seine Ambition, die Old School zu  würdigen und trotzdem und gerade neue Wege zu suchen, bestätigt.

Text: Christine Heise

Foto: (c) Reto Sterchi

Sturgill Simpson, Frannz Club, Schönhauser Allee 36, Prenzlauer Berg, Di 19.1., 20 Uhr, ?VVK: 17 Euro zzgl. Gebühr

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