Konzerte & Party

„Subkultur Berlin 80“ im Stattbad Wedding

Nick Cave

Sie nennt sich auch DJ Disctator, aber eigentlich spielte Maria Zastrow in der legendären Absturzbar Risiko Musik von einem Kassettendeck. Da war sie in der Tat sehr resolut. Mark Reeder hat sich dagegen immer für die Vorzüge der Schallplatte stark gemacht. Nach seinem Umzug von Manchester nach Berlin im Jahr 1978 promotete er die Veröffentlichungen von Factory Records, später half er der Berliner Techno-Szene mit seinem MFS-Label auf die Beine. Reeder ist ein Zeitzeuge, er kennt den Sound der frühen Achtziger in- und auswendig und erinnert sich immer wieder gerne an diese von Idealismus, Aufbruchstimmung und Chaos geprägten Pioniertage. Jetzt werden er und Zastrow an zwei vom Label K7 ausgerichteten Abenden die alten Scheiben und Bänder wieder herausholen, während in einer 360-Grad-Installation Konzertfilmmaterial von den Einstürzenden Neubauten, Nick Cave (Foto:1985) und vielen anderen gezeigt wird. Als Ort hat man sich keine historische Stätte ausgesucht, sondern ein ehemaliges Stadtbad, in dem die heutige Generation bis in den Morgen feiert. Das ist auch typisch für Berlin. Die Szene hat sich nie in ein Viertel verkrochen und ist dort geblieben. Jetzt ist eben mal der früher total tote Wedding dran.

Text: Thomas Weiland

Foto Nick Cave: Alaska

Subkultur Berlin 80, Stattbad Wedding, Do, 28.2. + Fr 1.3., 19 Uhr, AK: 8 Euro

Maria ZastrowUnd was läuft eigentlich, wenn Maria Zastrow am 28.2. auflegt?

NERVOUS NORVUS „Transfusion“
Running Gag war logischerweise die von uns mitsingend abgeänderte Zeile „I’ll never, never, never gonna do Speed again“

NICK CAVE & THE BAD SEEDS ­“Avalanche“
Der erste Song der ersten Bad Seeds Platte „From Her to Eternity“ zeigte, wie nah der vermeintliche Hippie-Liedermacher Leonard Cohen dem dunkelsten uns sehr vertrauten Abgrund sein konnte.

THE SAINTS „Photograph“
Ich liebte diesen entrhythmisierten, im Raum stehenden Song der besten australischen Band.

HOYT AXTON „Double Dare“

Bestes Beispiel für die Art von Musik, die uns interessierte: unkonventionell, unfassbar gut, gegen den Strom schwimmend in musikalischer und textlicher Beziehung, selten und süchtig machend.

ALAN VEGA „Jukebox Babe“ 
Vega kokste für jedermann sichtbar im hinteren Raum. Das traute er sich nur im Risiko.

BEASTS OF BOURBON „Psycho“
Fantastische Coverversion eines unfassbar irren Country-Songs.

EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN ­“Morning Dew“
Via Lee Hazlewood, den wir ausnahmslos und besessen verehrten, schaffte es sogar ein Song der Grateful Dead – die größte Hippie-Band aller Zeiten – bis ins Risiko.

LINK WRAY „Rumble“
Das Stück des Ledermanns mit dem unglaublich charakteristischen Gitarren-Sound ist an Coolness kaum zu übertreffen und bedarf keiner Worte. Jeder einzelne Ton sagt jedem ALLES.

QUINCY JONES „Rack‚ Em Up“
Ja – wir hörten auch Jazz! Der Song befand sich auf der B-Seite der ersten Mix-Kassette eines treuen „Material-Lieferanten“. Er selbst ist auch Musiker, heißt Thomas Wydler.

THE SENSATIONAL ALEX HARVEY BAND „The Faith Healer“
Spiele ich für meinen leider bereits verstorbenen Tresen-Kollegen Kriss Huth. Er liebte Alex Harvey.

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