Hip-Violin-Hop

Sudan Archives im Yaam

Ein Himmel voller Geigen: Mit der Violine und vor allem ihrer unverstellten Intuition zeigt Sudan Archives Soul und Hip-Hop ganz neue Möglichkeiten auf

Jack McKain

Eine Sozialisation vom Do-It-Yourself-Gefiedel im Kinderzimmer über frühe Erkundungen westafrikanischer Musiktraditionen bis zum renommierten kalifornischen Hip-Hop-Label Stones Throw ist eher ungewöhnlich. Aber eine Karriere hatte die 23-jährige Brittney Parks auch nie im Sinn. Rückblickend resultiert die Debüt-EP von Sudan Archives vor allem aus einer Fügung glücklicher Umstände. Selbst ihren Künstlernamen hat sie sich nicht selbst ausgedacht: „Sudan“ nannte die Mutter Brittney schon im Teenager-Alter, weil sie am liebsten afrikanische Waxprints trug.

So richtig wisse sie eigentlich immer noch nicht, was sie tue, erzählt die Autodidaktin in Interviews, lange konnte sie nicht mal Noten lesen. Seit Kurzem studiert Brittney Musikethnologie, ihre afrikanische Familiengeschichte hat definitiv Spuren hinterlassen. In der Grundschule war sie fasziniert vom amerikanischen Folk, besonders den Hillbilly-Geigern, die in der Nachbarschaft auftraten. Doch weil es an ihrer Schule kein Orchester gab, spielte die Jungviolinistin in der Kirchengemeinde. Erst später, als sie – noch nicht volljährig – nach Los Angeles abgehauen war, entdeckte sie die Gemeinsamkeiten von amerikanischer und afrikanischer Volksmusik. Sie spielte in Bars, meist solo auf der Violine, nur begleitet von Stimme und selbstgebastelten Loops. Das wäre wohl ewig so gegangen, hätte nicht eines Abends der Talentspäher von Stones Throw im Publikum gestanden.

Die Kombination Violine/HipHop klingt immer noch gewöhnungsbedürftig. Aber so intuitiv und subtil, wie Sudan Archives etwa in ihrem schönsten Stück „Come Meh Way“ die verschiedenen Stilmittel verbindet – perkussive Violinenstriche, Gesangsmelodien aus westafrikanischen Traditionals, Handclaps, die einen Hip-Hop-Beat imitieren –, ­fügen sich die Einflüsse zu einer organischen, gar transatlantischen Einheit. Ein Song wie „Queen Kunta“, ein genderparitätisches Cover von Kendrick Lamars Compton-Hymne mit pentatonischem Flow statt Stakkato-Rap, erscheint auf einmal folgerichtig. „I got too much swag“, singt Sudan Archives in der akustischen Neo-R’n’B-Ballade „Wake Up“. Doch den Swag kann heutzutage jeder Kaffeehaus-Rapper aufdrehen. Die Kunst besteht darin, sich den Soul zu bewahren.

Yaam An der Schillingbrücke, Friedrichshain, Mi 13.6., 20 Uhr, VVK 20 € zzgl. Gebühren

Mehr über Cookies erfahren