Shadow-Rap

$uicideboy$ spielen im Astra Kulturhaus

Brachialer Abriss: Die $uicideboy$ verwandeln ihre Aggression in energetische Shows

Von Kopf bis Fuß zugehackt mit Tattoos und Betäubungsmitteln: Äußerlich sowie mit ihrem Künstlernamen $uicideboy$ machen die beiden Cousins Ruby und $crim aus New Orleans nicht den positivsten Eindruck. Doch das Duo zieht sich seit 2014 mit der Musik gegenseitig aus der Perspektivlosigkeit – und nutzt sie als Selbsttherapie, und das mehr als erfolgreich. Die beiden Südstaatler gelten mit ihrem Entwurf als Erfinder des Shadow-Rap, einem digitalen Subgenre aus Grunge und Rap, das an den 1990er-Jahre-Sound der Three 6 Mafia erinnert und in den letzten Jahren mit Künstlern wie Bones, Night Lovell und Lil Peep zu einer immer größeren Blase wächst.

Ihre Texte sind Horrorcore, in denen dunkelste Abgründe ihrer suchtanfälligen Psyche zu tiefen 808-Bässen und Hi-Hat-Geratter, kombiniert mit Metal-Riffs und zähflüssigen Synthies durchexerziert werden. Das ergibt melancholische aber schlagartige Aggressivität in oftmals unter zwei Minuten Spieldauer pro Lied. Live bedeutet das brachialen Abriss, wie man ihn nur von einem waschechten Punk-Konzert erwarten würde. Diese verzerrt produzierten Soundprügeleien ohne Umwege ins Netz hochzuladen, brachte ihnen in kurzer Zeit massive Klickzahlen. Und sie haben anscheinend eine Menge durchgemacht, ergo aufzuarbeiten. Denn seit ihrem Schulterschluss in 2014 können sie auf mehr als 40 (!) veröffentlichte Projekte zurückblicken. Alleine die Mixtape-Reihe mit dem ausladenden Titel „Kill Yourself“ zählt 20 Teile.

Astra Revaler Str. 99, Friedrichshain, Di 23.1., 20 Uhr, VVK 25 € zzgl. Gebühren

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