Konzerte & Party

„Sunn O)))“ dröhnen im Prater

Sunn O)))Der Klang, von dem hier die Rede sein soll, ist ein hypnotisches Grundrauschen aus langgezogenen Gitarrenriffs, Bassschlaufen und Feedbacks, das die Gesamtheit der Musikgeschichte negiert. Schließlich sind die allseits bekannten wohlklingenden Töne, Lieder und Symphonien, vom Rhythmus der Knochenrassel über Beethoven bis zu Kylie Minogues letztem Hit, allesamt Formen eines domestizierten Klangs. Melodien, die dem Ohr schmeicheln, Lieder, die Herz und Seele beglücken. Stephen O’Malley und Greg Anderson haben sich von den Fesseln dieses gebändigten, zivilisierten Klangs entledigt.
Unter dem Kampfnamen Sunn O))) forschen sie seit mehr als zehn Jahren nach einem grimmigen Biest – dem Urklang. Benannt nach einer Firma, die besonders markerschütternde Verstärker herstellt, gruben die beiden in Los Angeles lebenden Gitarristen in den Minen des Black-, Death- und Doom-Metals in immer finsterere Abgründe und stießen dabei auf einen Sound, den sie fortan prägen und erweitern sollten: Drone Metal. Sie manifestierten diese in Klang gegossene anarchische Phi­losophie auf Platten, die schlicht „Black One“ oder „White 2“ hießen. Werke, auf denen das verstörende, donnernde Grollen von Mal zu Mal finsterer, beängstigender, lauter und vor allem langsamer wurde, ungeheuerlich langsam. Offenbarungen, die erahnen ließen, wie es im Inneren der Sonne klingen muss.
Obwohl sich Anderson und O’Malley offen zu ihren MetalWurzeln bekennen, auf der Bühne gerne finstere Mönchskutten tragen und mit dunklen Grunzprinzen wie Attila Csihar kooperierten, sind Sunn O))) keine Metal-Band, die der reinen Genrelehre entsprechen würde. Gruselige Teu­felsdarstellungen, obskure Mythologien und Machismo sucht man bei ihnen vergebens. Hingegen haben schon früh Free Jazzer, japanische Noise-Meister, Elektronik-Tüftler, die Minimal-Music-Gemeinde und andere Avantgardis­ten in dem Duo verwandte, weil offene und experimentierfreudige Geister entdeckt. Die Abkehr vom Diktat der Melodie und Harmonik und die Lust an der klanglichen Grenzerfahrung sind schließlich genreübergreifend. Das beweist auch ihr aktuelles Album „Monoliths & Dimensions„, an dem ein österreichischer Frauenchor und ein Waldhorn- und Posaunen­ensemble beteiligt sind.

Text: Jacek Slaski

Sunn O))), Prater, So 24.5., 20 Uhr, VVK: 25,60 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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