Artrock

Suuns im Festsaal Kreuzberg

Lärmsäurebad – Sind aus Kanada, gefallen aber fast ausschließlich Belgiern: Suuns

Foto: Joe Yarmush

Es wird oft behauptet, dass in der ausdifferenzierten Pop-Gegenwart auch komplexe Musik erfolgreich sein kann. Doch ein so unübersichtliches Stilgemisch wie bei der kanadischen Kraut-Artrock-TripHop-Postpunk-Band Suuns überfordert dann doch ein größeres Publikum – außer im offenbar keiner Obskurität abgeneigten Belgien, wo das letzte Suuns-Album bis auf Platz 91 der Charts vordrang. Dass Gitarrist und Sänger Ben Shamie „Felt“, die vierte Platte des Quartetts aus Montreal, für weniger klaustrophobisch als den Vorgänger hält, heißt noch lange nicht, dass man hier schellenkranzschwingend über sonnige Blumenwiesen tanzt. Der Opener „Look No Further“ ist mit schlaffem Gummitwistbass und Stubenfliegengitarre ein astreiner Partykiller, und wer das mit Zappelrhythmus und Verzerrvocals an den frenetischen Neo-Krautpop von Martin „Console“ Gretschmann erinnernde „Watch You, Watch Me“ als Single auskoppelt, der glaubt auch an den Osterhasen. Hat man sich erstmal an Shamies Nasalgesang gewöhnt, ist das wie Oasis‘ „Live Forever“ groovende (aber keine Sorge: völlig anders klingende) „Make It Real“ der heimliche Hit der Platte. Nach diesem Stimmungsaufheller werfen einen Suuns ins Lärmsäurebad mit dem trügerischen Titel „Daydream“. Bleiben schwierig, diese Kanadier. Belgiern könnte es gefallen.

Festsaal Kreuzberg Am Flutgraben 2, Treptow, Di 10.4., 20 Uhr, VVK 19 €

 

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