Konzerte & Party

T.C.H.I.K. im Festsaal Kreuzberg

Tote Crackhuren im Kofferraum

Man könnte dazu neigen, die Crackhuren als überbewertete Dilettanten abzutun. Aber so leicht macht es einem das rund zehnköpfige Projekt dann doch nicht. Den harten Kern der Formation bilden Luise, Janet und Kristin, allesamt um die zwanzig Jahre alt. Umso erschreckender das ganze Drumherum erscheint, das die drei betont inszenieren – schrille Outfits, bemühte Improvisationen – desto erstaunlicher ist es, dass sie mit einem echten Coup überraschen: Ihre Single „Ich und mein Pony“ ist ein geradezu entzückender, griffiger Elec­tro-Pop-Hit.
Ja, was denn nun: Dadaistische Show oder direkt in die Charts? Gerne beides. Nach eigener Aussage begann die Geschichte von T.C.H.I.K. wie ein schlechtes Klischee: Ein Musikmanager wurde 2007 auf sie aufmerksam, ließ sie zu Vollplayback auftreten und schrieb ihnen eine Handvoll Songs auf die jungen Leiber. Der griffige Name des Projektes war zu diesem Zeitpunkt bereits ein vor Jahren eingeführter Szene-Scherz, eine Schnapsidee des Techno-Impresarios Jürgen Laarmann. Schon bald jedoch gab es Streit über die künstlerische Ausrichtung, man trennte sich wieder.
Mittlerweile werden die Crackhuren von Beat Gottwald (Manager von K.I.Z.) und Archie (Ex-Terrorgruppe) betreut – eine stimmige Entscheidung. Denn genau zwischen den Polen Electro-Rap und Punk bewegen sich die Crackhuren – oftmals orientierungslos. „Alle wollen immer besser als wir selbst wissen, was wir darstellen möchten“, verweigert sich Haupt-Sängerin Luise dem Versuch einer Stil-Analyse. Darin liegt die Krux der Band: Sie will sich niemals festlegen lassen und versteckt sich im Zweifelsfalle immer hinter einer Überdosis Ironie. Das hat scheinbar auch Luise erkannt. „Ironie finde ich gut, weil ich die Band und mich selbst nicht zu ernst nehme.“ Schade eigentlich, möchte man meinen. Denn wenn die Crackhuren ihre Kraft kanalisieren, kommt phasenweise erstaunlich subversiver Slogan-Pop hervor – nachzuhören auf ihrem Debüt­album, das am 10. September erscheint. Es hört übrigens auf den schönen Titel „Jung, talentlos & gecastet“. Und diese Frage muss erlaubt sein: Ist das jetzt wieder Ironie oder Tatsache?

Text: Jan Schimmang

T.C.H.I.K. – Tote Crackhuren im Kofferraum, Festsaal Kreuzberg, Sa. 21.08., 21 Uhr, VVK: 12 Euro

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