Konzerte & Party

T-Shirt plus Tanzfläche

Ellen Allien„Mein erstes Hobby, bis ich tot bin, ist Musik. Mein zweites Hobby ist Fashion.“ Ellen Allien weiß, wie sie Dinge auf den Punkt bringt. In ihrer Anfangszeit in der Elektroszene hat sie sich die Haare abrasiert, Jungsklamotten getragen. Vor etwa sechs Jahren hat sich das geändert. Absatzschuhe oder eine kurze Hose mit heißem Oberteil waren nun auch okay. „Das lag daran, dass Musik und vor allem Techno weiblicher wurden.“ Es arbeiteten mehr Frauen im Club, auf und hinter der Bühne, aber auch davor ist seit einiger Zeit wieder Weiblichkeit angesagt. Und macht Spaß. „Das Schöne ist, dass stiltechnisch inzwischen alles geht. Egal ob punkig, alternativ, androgyn oder edel. Hauptsache kreativ sein und wild mischen.“ Die DJane freut es, wenn Menschen schick angezogen sind, einen lustigen Hut aufhaben oder ihre Secondhand-Jeans mit Schere und Edding zum Minikleid umgearbeitet haben. „Ein Ausgeh-Outfit muss nicht teuer, sondern vor allem individuell und bequem sein. Do-it-yourself ist angesagt.“
Das hat sich auch die Plattenkünstlerin gedacht und ihr eigenes Modelabel gegründet. Seit 2006 bringt sie unter dem Label Ellen Allien Fashion-Shirts, Kleider, Hosen, Overalls und Shorts in Kleinst­auflage ans modeinteressierte Pu­b­likum. Ihre Kreationen sind „bequem, aber sexy mit einer Prise Humor“. Ideen und Kollektionen entstehen zum Beispiel wie im Januar 2008 bei der Serie zum Thema „City Reflections“. An einem Morgen stolperte sie in Absatzschuhen „ziemlich verpeilt“ aus der Panoramabar. Auf den Straßen lag Schnee und schimmerte. Diesen Eindruck wollte sie sofort auf ein Shirt bringen. „Ideen kommen in bestimmten Momenten, wenn Bewegung da ist. Bei mir im Flugzeug über den Wolken, beim Joggen oder mit Musik.“
Bei der Umsetzung der Ideen hat sich langsam Routine eingestellt. Entwürfe und Stoffauswahl macht Allien selbst. Beim Messen der groben Entwürfe von einer Schnittmeisterin auf ihrem eigenen Leib muss Kumpel Markus Stich mit ran. Auch zum Verschönern. Die daraus gefertigten Musterteile aus der Schneiderei werden dann noch mal angekuckt und verbessert. Ellen Allien erkennt Parallelen: „Modedesign ist wie eine Platte zu machen. Erst machst du einen Track, dann geht das zum Mas­ter, dann Erstpressung und dann Pressung.“ Allerdings findet sie es erfrischend, auch mal über andere Dinge als Coverartwork und Bassdrum zu sprechen.

Lesen Sie den vollständigen Artikel in tip 14/09 auf der Seite 82.

Text: Susan Schiedlofsky

Foto: Michael Mann

Apartment, Memhardstraße 8, Mitte, Mo-Fr 12-20 Uhr, Sa 12-18 Uhr, www.apartmentberlin.de

Ellen Allien Fashion, www.fashion.ellenallien.de

Richly Hawtin, www.m-nus.com, http://richly.hawtin.jp

Markus Stich, www.markusstich.com

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