Kommentar

„Technostaub“ von Stefan Hochgesand

Feine Sache, dass vielen Vinylplatten Download-Codes mitbeiliegen und man die Alben somit auf zweierlei Weise abspielen kann.

Stefan Hochgesand

Ich fände das prima, wenn das auch bei Büchern ginge: Man kauft sich das Druckkunstwerk und kann es für Reisen auf den Reader packen. Geht aber nicht, denn unsere Finanzgesetzgebung sagt, dass für gedruckte Bücher als Kulturgut 7 Prozent Mehrwertsteuer fällig werden, für E-Books hingegen 19 Prozent. Sie können also nicht im Paket verkauft werden. Weiß der Henker, warum ein Shakespeare-Sonett je nach Datenträger mal Kultur, mal Unkultur sein soll.
Die Frage stellte sich kürzlich auch beim Berghain: 7 oder 19 Prozent Umsatzsteuer? Seit 2008 wird der Club nämlich höher besteuert, mit allerlei fadenscheinigen Gründen, die vielleicht nur Finanzbeamtinnen und -beamten einleuchten können. Etwa: Bei Berghain-Partys gebe es, anders als im Theater und bei Popkonzerten, keine Bühne. Klar, solche Kritierien lassen sich mit dem Milimetermaß überprüfen, sind aber auch völlig Banane. Das hat, in schickeren Worten, gerade auch das Finanzgericht Berlin-Brandenburg entschieden. Denn im Hain werden ja, das sieht das hohe Gericht völlig richtig, nicht Random-MP3 runtergenudelt, sondern die DJs kreieren wahrlich neue Musik. Eine kulturelle Leistung. Das Berghain wird’s freuen, dass es nun, zurecht, wieder Steuern sparen darf. Andererseits ist das auch ein Symbol für die weitere Hochkulturweihe, Musealisierung und Endlagerung des Techno. Ganz schön perfide.

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