Konzerte & Party

Teenage Kicks Party im Comet Club

Teenage Kicks Party

Es wirkt paradox: Der Ursprung einer Partyreihe für Nostalgiker und Freunde der guten, alten Punk-Musik liegt ausgerechnet im noch recht jungen sozialen Netzwerk Facebook. Das von Skeptikern oft als Ersatz für fehlende Sozialkontakte im realen Leben verschriene Webangebot kann eben doch mehr und führt mitunter sogar alt­bekannte Menschen nach langer Zeit wieder zusammen.
Nopper Schmidt, ehemaliger Roadie und Merchandiser von den Ärzten und heute als DJ Iggy Nop in der Berliner Indie- und Rockszene unterwegs, liefert das beste Beispiel dafür. Er postet im Februar 2011 in seinem Profil den Song „A Forest“ von The Cure. Sogleich entspinnt sich eine Diskussion unter seinen Freunden über die alten Zeiten und den herrlichen analogen Knarz-Sound des verlinkten Videos. Schnell kommt im Gespräch die Idee auf, eine Party nur mit den Liedern der gemeinsamen Vergangenheit zu veranstalten. „Wir sind Kinder der 80er“, erzählt Schmidt. „Zu der Zeit gab es eine Menge Läden in West-Berlin, in denen Punk, New Wave und Ska sehr angesagt waren: Musichall, Linientreu, Dschungel. Das war für uns alle eine prägende Zeit.“ Als er am nächsten Tag Facebook besucht, sieht er, dass eine seiner Freundinnen dort eine Gruppe gegründet hat, in der es um eben diese alten Läden und Songs geht. Schnell treten zahlreiche Ex-Punks aus den späten 70ern und frühen 80ern bei und diskutieren die alten Zeiten, deren Musik und Menschen. Teenage KicksSchon bald wächst die Gruppe auf über 400 Mitglieder an und die erst nur als fixe Idee gehandelte Party wird schließlich tatsächlich geplant. Nach einem Song der irischen Punkband The Undertones tauft Schmidt sie Teenage Kicks und avanciert über Nacht vom DJ zum Veranstalter. Zur ersten Feier im Mai 2011 erscheinen rund 300 Leute, alle aus besagter Gruppe, deren Mitglieder heute zwischen 45 und 50 sind. Inzwischen kommen zu der an jedem fünften Samstag im Monat stattfindenden Party aber auch reichlich andere Gäste von Mitte 20 bis Ende 30. „Wir freuen uns über das zusätzliche Publikum, denn es ist schön, zu sehen, dass auch Jüngere Interesse an der alten Musik haben. Der Unterschied ist nur, dass die Älteren früher kommen. Der Laden ist um zehn schon gut gefüllt, während man woanders um zwölf noch wartet, ob überhaupt noch jemand antanzt.“ Die Musikwahl bleibt trotz der inzwischen jüngeren Besucher strikt: „Es läuft nur Musik aus den 70er- und 80er-Jahren. Und zwar nicht nur Charthits wie bei anderen 80er-Partys“, sagt Schmidt, „der Hauptanteil liegt im Gegenteil genau bei den Songs, die heute gar nicht mehr in Clubs zu hören sind.“ Dies reicht von Liedern von den Ra­mones, The Clash und Duran Duran bis zu Sham 69, den Sex Pistols oder Ultravox.
Beim kommenden Termin ist mit den Berlinern von Plan B erstmals auch ein Live-Act dabei. Die 1984 gegründete und 2012 wiederbelebte Band um Johnny Haeusler wird einen Unplugged-­Auftritt spielen. Und mit Haeusler schließt sich dann gleich zweifach der Kreis: Er betreibt mit Spreeblick.com nicht nur einen der erfolgreichsten Blogs Deutschlands und weiß somit genau um den Nutzen des Internets, sondern spielte mit seiner Band einst auch im Vorprogramm von Duran Duran, den Ramones und The Clash. Mit Letzteren damals, im Februar 1984, als noch niemand ahnte, was das Internet einmal sein würde und als Facebook-Gründer Mark Zuckerberg noch nicht einmal geboren war.

Text: Nadine Kleber

Teenage Kicks Party + Live-Act: Plan B unplugged, Comet Club, Sa 29.12., 21 Uhr, AK: 9 Euro (Live-Act + Party) bzw. 6 Euro (nur Party)

www.facebook.com/teenagekicksparty

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