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The Arcs

The Arcs
The Arcs Foto: Richard Swift

Man kennt The Black Keys als kompromisslose Burschen, die schnörkellos zur Sache gehen, bluesfundiert sind und ihre Weichteile zu verbergen wissen. Sie sind eine der wenigen zeitgemäßen Rockbands, die sich im Glanz des Erfolges sonnen dürfen und auch einmal, wie jetzt gerade, pausieren. Denn als Ersatz will Dan Auerbach sein Nebenprojekt The Arcs keineswegs sehen. Sein Auftritt zum Interview erfüllt das Klischee Rockstar: Sonnenbrille bis zum letzten Handschlag. Und vorher hieß es: no selfies and don’t mention the White guy.

Auch ein Black Key hat seinen wunden Punkt. Oder ist schlicht genervt von all den Spekulationen und Falschmeldungen hinsichtlich der mehr als missglückten Beziehung zwischen ihm und dem noch größeren Rockstar Jack White, die die Klatsch- und Tratschwelt seit Auerbachs Umzug nach Nashville 2010 auf Trab hält. Zwei, die sich eigentlich lieben müssten, teilen sie doch eine vitale Liebe zu Blues, Country, Rock, Vinyl und Nashville, dass es nur so eine Art hat. Aber für Dan Auerbach ist das Leben ein Boxkampf. Das jedenfalls ist aus seinem Nebenprojekt The Arcs zu schließen, deren ästhetischer Auftritt vom Künstler Omar Juarez „El Oms“ in blutrünstiger Comic Chicano Manier geprägt ist. Quadratisch der Ring, quadratisch das Plattencover, quadratisch das Studiosetting, und alles hängt davon ab, wie etwas platziert ist und wer welche Bewegungen macht. Genau wie der Boxer seine Positionen übt, übt der Musiker die Position für den besten Drumsound und das Verhältnis zum Gesangsmikrophon. Üben, sagt Dan Auerbach, ist wie Sparring. Niemand kann es dir abnehmen.

Dan Auerbach
Dan Auerbach Foto: © ALYSSE GAFKJEN 2015

Als für den 2. Mai 2015 in Las Vegas der Jahrhundertkampf zwischen Floyd Mayweather und Manny Pacquiao angekündigt wurde, beschlossen er und seine Mitstreiter diesen Tag auch für The Arcs zum Höhepunkt zu  erklären und mit der ersten Single rauszurücken. „Genau wie Musik kann man Boxen nicht als Teilzeitbeschäftigung betreiben, jedenfalls nicht ich. Wie Musiker haben Boxer oft persönliche Probleme, sind wie sie grauenhafte Kommunikatoren, und Du lernst im Boxen ebenso wie in der Musik fundamentale Dinge“, so Auerbach.

Der kommerzielle Durchbruch von The Black Keys seit ihrem Album „Brothers“ hat das Duo Patrick Carney und Dan Auerbach, Freunde seit Kindertagen, erschöpft und nach einer Pause verlangen lassen. Aber nichts tun ist keine Alternative. Vielmehr hatte Dan Auerbach, der persönlich am liebsten HipHop hört, neben seinen zahlreichen Produzentenjobs, u.a. für Dr. John, Lana Del Rey und Ray LaMontagne, auch regelmäßige Jams mit denen, die sich nun The Arcs nennen, z.B. Keyboarder Leon Michels, Gründer des Truth & Soul Label (Lee Fields), oder Multiinstrumentalist und Produzent Richard Swift (The Mynabirds, Valerie June, Nathaniel Rateliff ).

Jeder für sich hat eine Leidenschaft für die organische Verschmelzung der Fundamente des 60er und 70er R&Bs entwickelt, mit frühen elektrischen und elektronischen Instrumenten von E-Gitarren über Keyboards. Man hört Samples, Loops und 808s, die sich mit modernen Vokaleffekten verbinden und eine unorthodoxe Repräsentation ihrer sämtlichen Plattensammlungen darstellen. Von Musikbesessenen zu sprechen ist keine Übertreibung, und Dan Auerbach betont, dass bei The Arcs jeder ein Mitarbeiter und nicht nur Erfüllungsgehilfe ist. Gleichwohl geben seine Themen die Richtung vor, ob beim Beispiel Boxen oder seinen Southern Roots. Träume, die wie eine Zeitmaschine wirken. „Ich fuhr mit 18 den ganzen Weg von Ohio runter, durch Nashville, durch Memphis, bis nach Mississippi, und ich erinnerte mich an all die Folklore, die ich so liebe dort, die des Südens und speziell von Mississippi. Als ich ‚Behind The Magnolia Curtain‘ von Tav Falco hörte, und davon träumte auf der 1938er Harley Davidson durch die Baumwollfelder zu streifen, zusammen mit Alex Chilton. Szenen, die mich fühlen lassen als wäre ich mitten in ‚O Brother Where Art Thou.'“ Von diesem Trip handelt der Song „Velvet Ditch“. Gemessen an der wirkungsvollen, aber begrenzten Perspektive der Black Keys, ist das Debüt „Yours, Dreamily“ ein raffiniertes Biest geworden, ein wahres Füllhorn der Genres, gut geerdet im Süden und mit psychedelischer Soulmusik gut umschrieben; urban und modern.

Text: Christine Heise

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