Riot Grrrls

The Julie Ruin

Kathleen Hanna lässt sich auch mit neuer Band The Julie Ruin nicht unterkriegen

Bequem war Kathleen Hanna nie, sie wollte es auch nicht sein. Mit ihrer ersten Band Bikini Kill trat sie Anfang der Neunzigerjahre in den USA die Riot-Grrrl-Bewegung los – als lautstarke, feministische Antwort auf den damals alles dominierenden Jungs-Grunge. In Hotpants und kurzen Kleidern brüllte sie gegen die Alpha-Männchen, Besserwisser und Vergewaltiger an und feierte die weibliche Solidarität. Beim Nachfolge-Trio Le Tigre blieb die Botschaft die gleiche, doch der Sound wurde elektronischer und poppiger.

Mitte der Nuller-Jahre zog sich Hanna dann aus dem Scheinwerferlicht zurück, kämpfte im Stillen mit einer spät diagnostizierten Lyme-Borreliose. Sich vom eigenen Körper in die Schranken weisen zu lassen, das passte nicht ins Konzept des Energiebündels. Inzwischen ist die 48-Jährige genesen und hat mit den fünfköpfigen The Julie Ruin wieder eine Band sowie mit „Hit Reset“ ein neues Album.

Darauf wechseln liebliche Girlgroup-Harmonien mit enervierendem Geschrei, rohe Punk-Energie mit eingängigen Pop-Melodien und Electro-Spielereien. In den Texten bekommen wie immer die blöden Typen ihr Fett weg. Doch diesmal wird Hanna auch ungewohnt persönlich. Offen thematisiert sie ihre Kindheit mit einem alkoholabhängigen, empathielosen Waffennarr als Vater und einer sie unterstützenden Mutter. Sicher kein einfacher Schritt. Aber eine wie Kathleen Hanna mag es nun einmal nicht bequem.

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