Konzerte & Party

Theater, Fahrten, Abenteuer

VulkanascheDas HAU hat es am härtesten getroffen: Zum Start des lange geplanten HAU-Festivals mit ?kolumbianischem Theater gab es von Lateinamerika nach Europa nur noch Flüge nach Madrid. ?Das HAU charterte in San Sebastian einen Bus, der die Künstler des Mapa Teatro, der ersten Gastspiel-Compagnie, abholte und in einer 30-stündigen Fahrt von Madrid nach Berlin brachte. Zugtickets gab es an diesem ?Wochenende schon nicht mehr von Madrid nach Paris, ganz ?zu schweigen von einer Weiterfahrt mit dem Zug nach Berlin. In Madrid waren Mietwagen und Kleinbusse nur noch zu Wucherpreisen zu haben. Strafverschärfend kam hinzu, dass das Mapa Teatro aus Bogotб nicht nur ?Berge von Gepäck inklusive zweier riesiger Marimbaphone, sondern auch zwei ältere Herren mit fast achtzig Jahren dabei hatte. „Aber die kolumbianischen Künstler waren absolut unerschrocken und stiegen auf die Aussicht hin, dass sie nur per Bus in einer anderthalbtägigen Busfahrt nach Berlin kommen könnten, in Bogotб in den Spanienflieger“, erzählt HAU-Pressesprecherin Kirsten Hehmeyer. Als sie die Kolumbianer am Ende ihrer Odysee nachts um halb zwölf am Hotel in Empfang nahm, schwärmten die von dem luxuriösem Bus und bestem Wetter auf der schönen Fahrt quer durch Europa. Hehmeyer: „Klingt nach dem allseits bekannten Klischee der glücksgedopten Südamerikaner, aber ich schwöre, genau so war es.“
Die zweite Truppe des HAU-Kolumbien-Festivals ist auf dem gleichen anstrengenden Weg von Madrid nach Berlin gepilgert, die Künstler des Teatro Petra sind in Paris gelandet und haben zig Umbuchungen und Vertröstungen samt Flughafenwechsel über sich ergehen lassen, bis sie dann zwei PKW gemietet haben und mit denen morgens um fünf losgefahren sind. Manchmal ist Theater ein Abenteuer, das unerschrockene Künstler und Produktionsleiter mit stählernen Nerven verlangt.
Auch für das „Plan C“-Wochenende, zu dem 500 Theaterleute aus ganz Europa nach Berlin kommen wollten, hatte die Vulkanaschewolke unerfreuliche Folgen: „Wir gehen davon aus, dass etwa 50 Personen deshalb nicht anreisen konnten und etwa 250 ihre Rückreise umplanen mussten“, berichten die Festivalorganisatoren. Die Vorstellung von Gob Squad’s Stück „Revolution Now“ an der Volksbühne im Rahmen des „Plan C“-Wochenendes musste wegen Ascheflug abgesagt werden.
Auch sonst hat die Volksbühne aschebedingt turbulente Tage hinter sich. Der Chefdramaturg hing mehrere Tage in Finnland fest. Die Schauspielerin Irina Kastrinidis kam nicht aus Zürich weg, der Schauspieler Mex Schlüpfer hing in Malaga fest, Birgit Minichmayer konnte nicht anreisen – alle drei hätten in Berlin Vorstellung gehabt, ihre Rollen mussten in kürzester Zeit umbesetzt werden. Volksbühnen-Pressesprecherin Sabrina Zwach: „Am Ende haben wir alles hinbekommen, aber die schärfste Geschichte war, dass das gesamte „Kean“-Ensemble nebst Stab in Paris auf Gastspiel war und dort nicht wieder wegkam, aber natürlich zu den Vorstellungen an den Folgetagen hier sein musste. Also wurde ein Bus gechartert. In ganz Paris gab es aber keine Busse mehr. So kam der Bus aus Straßburg. Alle Mann rein in den Bus und dann durch die Nacht bis zum nächsten Vormittag einmal quer durch Frankreich und Deutschland. Abends wurde gespielt.

Text: PL

Foto: Vilhelm Gunnarsson, dpa

Theater und Bühne in Berlin von A bis Z

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