Konzerte & Party

Tim Bendzko gewinnt für Berlin

Tom Bendzko

Bereits zum siebten Mal hatte TV-Moderator Stefan Raab am Donnerstag (29.9.) zum Bundesvision Song Contest geladen. Sechzehn Bundesländer, sechzehn Musik-Acts und am Ende hieß der Sieger bereits zum dritten Mal: Berlin. Nachdem zuvor Seeed (2006) und Peter Fox (2009) den Titel in die Hauptstadt geholt hatten, bewies Tim Bendzko dieses Mal, dass es auch ohne Seeed-Sänger Fox für Platz eins reichen kann. Schließt man bei dessen Ballade „Wenn Worte meine Sprache wären“ die Augen, ist unverkennbar, dass die Musik eines Xavier Naidoo – auch, wenn dieser ein wenig von der Bildfläche verschwunden ist –  offensichtlich noch immer hoch im Kurs der Raab-guckenden TV-Gemeinde steht. Denn auch, wenn das Schlagzeug bei Bendzko ein wenig mehr nach Handarbeit klingt als die HipHop-Drums bei Naidoo: Der soulig angehauchte Gesang und die große Pop-Band inklusive Klavier und Streichern konnten die Herkunft der Inspiration bei Bendzko nicht verleugnen. Geholfen hat vielleicht auch die Tasten-Hookline im Hintergrund, die verdächtig nach der Werbespot-Musik einer großen, neuen Versicherung klang.
Ergo konnte nicht viel schief gehen, für den 26-jährigen Köpenicker, dessen Song in den deutschen Charts immerhin Platz vier erreicht hatte und der trotzdem immer wieder so tat, als sei er über den Sieg wirklich überrascht. Vielleicht hätte sich Bendzko vorher einfach nur mal die Songs der Konkurrenz anhören sollen, denn das, was die restlichen 15 Bundesländer da teilweise ins Rennen geschickt hatten, verdiente manchmal nur schwerlich die Bezeichnung Song.
Überhaupt kam die siebte Ausgabe des Bundesvision Song Contest im Jahre 2011 seltsam lustlos über die Bühne. Da konnten auch abgehalfterte Top-Acts wie Juli oder Jennifer Rostock nicht mehr helfen. Dass, was im Jahre 2005 mal als gute Idee gestartet ist, hat sich inzwischen überlebt. Die vielen „Wir haben Spaß“- und „Hier ist eine Super-Stimmung“-Statements wirkten aufgesetzt wie selten und konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass den wirklichen Spaß inzwischen nur noch die Macher im Hintergrund haben, die nach der Veranstaltung das Geld zählen.

Foto: Willi Weber / ProSieben

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