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Timo Maas über sein neues Album „Lifer“

timo_maasAcht Jahre sind zwischen der Veröffentlichung Deines letzten Albums „Loud“ und der aktuellen LP „Lifer“ vergangen? Warum hat es so lange gedauert?
Warum denn nicht?

Die Zeitspanne hebt sich vom gängigen Veröffentlichungsrhythmus ab.
Das stimmt. „Loud“ war damals ein echter Erfolg, es wäre ein Leichtes gewesen so weiterzumachen. Aber ich habe erst einmal durchgeatmet, um herauszufinden, wo ich musikalisch hinmöchte. Ab einem bestimmten Punkt kristallisierte sich heraus, dass Martin Buttrich, mein damaliger Produzent und ich getrennte Wege gehen. Seit nunmehr fünf Jahren arbeite ich mit Sante Pucello, besser bekannt als Santos, zusammen.

Wie wichtig ist der Produzent für Deine Klang-Ästhetik?

Die Rolle des Produzenten ist für mich enorm wichtig, bereits bei meinen ersten Gehversuchen in den späten 80er-Jahre habe ich darauf nicht verzichtet. Mit Sante teile ich das musikalische Verständnis, wir hörten in den 80er-Jahren die gleiche Musik, z.B. Jean-Michel Jarre. Auch später lief die musikalische Sozialisation parallel. So muss nicht viel erklärt werden. Ich komme mit Song-Ideen und aufgenommenen Klängen ins Studio und dann entsteht daraus der Track. Ich nehme sehr viel auf, besonders auf Reisen. Wenn ich etwas Obskures höre, überlege ich sofort, wie ich das in einen Song einbauen kann.

Diese Klang-Neugier führt dazu, dass deine Musik sich einer strengen Kategorisierung widersetzt.
Ja, genau. Dieses Schubladen-Denken konnte ich noch nie nachvollziehen. Nach der Veröffentlichung von „Loud“ hieß es plötzlich, ich würde „Progressive House“ machen oder dem Trance neue Nuancen verleihen. So ein Quatsch! Scheiß auf Genres! Viele Journalisten denken, dass mein musikalischer Ansatz weniger komplex sei, weil ich jedes Wochenende als DJ auf Funktionsbasis unterwegs sei. Diese Erwartungen nicht zu erfüllen, macht mir Spaß.

Du legst weltweit auf. Bemerkst Du, dass die Musik in unterschiedlichen Kulturkreisen anders rezipiert wird?
Das ist Phänomen: Es wird immer konformer, speziell in den letzten zehn, zwölf Jahren. Es spielt keine Rolle, ob Du in Brasilien, in Japan, auf Ibiza oder in Berlin irgendwie in die Clubs gehst. Die gleichen DJs sind überall anzutreffen. Es gibt weniger Insider-Orte mit einer eigenen Note. Das einzige Land, das nicht in diese Beschreibung passt, ist Russland.

Das sagte kürzlich auch Proxy, ein Dubstep-DJ aus Moskau. Er beklagte das Fehlen einer Szene für elektronische Musik.
Das ist noch immer Disco angesagt. In den Clubs laufen auch noch alte 90er-Euro-Trash-Songs wie „Mr. Vain“.

Welche Orte inspirieren dich denn besonders?
Mein Zuhause. Ich bin mal wieder umgezogen. Es ist dort idyllisch und grün. Alles Extreme erlebe ich auf Reisen. Ich könnte auch nicht in Berlin leben, ich würde hier nur mit Ohropax schlafen.

Hat sich denn auch dein Ausgehverhalten verändert?
Am Wochenende lege ich ja selbst auf. Aber ich gehe insgesamt nicht viel weg.

Und wenn, dann wahrscheinlich auch gern mal genrefremd?
Absolut. Die letzten Konzerte, die ich besuchte waren Wolfgang Haffner, der Jazz-Drummer, der auch als Drummer bei Nightmares on Wax involviert ist. Auch Nils Landgren, den Jazz-Posaunisten, fand ich beeindruckend. Ich liebe aber auch gelungene DJ-Sets. Ich bin ständig rastlos auf der Suche nach neuen Einflüssen.

Viele Deiner Kollegen besitzen eine Affinität zu Jazz oder auch Neuer Musik.
Auf einem David-Guetta-Album entdecke ich – bei allem Respekt – nichts außer einem hohen Nerv-Faktor. Es gibt aber viele Jazz-Platten aus den 40er- und 50er-Jahren, die mich enorm berühren. Es gibt aber auch Rockbands, die mich begeistern. Das Problem an der heutigen Musik ist, dass zu viele Künstler den musikalisch einfacheren Weg gehen, um den Erfolg zu sichern. Es ist schwer, nein zu sagen. Ich hatte mal das Angebot, einen Remix für Britney Spears zu machen. Dafür hätte ich mir ein neues Auto kaufen können. Aber ich hab es nicht gemacht.

Weil keine Idee aufkam?
Nee, weil die Musik nicht inspirierend war.

Interview: Ronald Klein

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