Konzerte & Party

Tindersticks in der Volksbühne

Tindersticks

Nach einer Zeit der Reflexion und des Umbruchs blieb jedoch zusammen, was zusammengehört. Nun geben die Tindersticks gleich zwei ihrer stimmungsvollen Konzerte.

tip Nach bald zwanzig Jahren Bandgeschichte erscheint das neue, neunte Album auf dem Berliner Label City Slang. Warum? 
Stuart Staples Wir hatten schon immer eine starke Verbindung zu diesem Label, und es ist für Außenstehende vielleicht schwer nachvollziehbar: Aber endlich besitzen wir auch die Rechte an unserem eigenen Album! Es begann uns langsam wirklich tief zu verletzen.

tip Zudem gibt es eine Freundschaft zu den Label-Darlings Lambchop, nicht? 
Stuart Staples Wir pflegen eine Art Parallelexistenz. Unsere Debütalben erschienen im selben Jahr, wir haben beide – wenn auch unterschiedlich – Soul erforscht, und jetzt veröffentlichen wir gleichzeitig unser neues Album auf demselben Label.

tip Aber Country, die verborgene Referenz für Lambchop, war für die Tindersticks nie eine Option.
Stuart Staples Ich komme aus Nottingham, der Pop der  späten Siebziger, frühen Achtziger hat mich umgeben. Für mich sind Soul und Reggae wichtig, dazu kam der Punk, das ist unsere musikalische Heimat. Dass ich persönlich darüber hinaus ein Faible für Songwriter wie Townes Van Zandt, Tim Hardin und Lee Hazlewood habe, liegt in ihrer Einzigartigkeit begründet. Wenige Künstler sind so interessant. Ihr Schreibstil, ihre Ästhetik – das wird nie weggehen. Egal wie intensiv ich in den letzten 20 Jahren auch Bob Dylan gehört habe und bewundere, ich werde nie eine solche Verbindung mit ihm haben wie zu den anderen.

Tinderstickstip Ist denn Pop nicht universell? Muss man wirklich irgendwo herkommen, um für einen Stil Kompetenz zu entwickeln?
Stuart Staples Als wir 1999 unser viertes Album „Simple Pleasure“ machten, änderten wir unsere Arbeitsweise. Das Album war total beeinflusst von Leuten wie Willie Mitchell und dem Memphis-Soul von Hi Records. Als wir das dann in den Rest von Europa trugen, stellten wir fest, dass die Leute gar nicht unsere Referenzpunkte teilten. Seit wir elf, zwölf Jahre alt waren, sind wir von Soul umgeben gewesen. Northern Soul, das war der Haupteinfluss, der uns ständig umgab. Als wir dann durch Europa tourten, haben wir feststellen müssen, wie besonders England darin ist.

tip Mit diesem Unverständnis gegenüber Nor­thern Soul hat auch Paul Weller stets gekämpft.
Stuart Staples Es geht wirklich um Referenzpunkte. Wer ist wann wo aufgewachsen – das ist nun mal wichtig. Reggae, Soul, Punk… alles um mich war so lebendig. In Nottingham gab es viele Probleme, es war eine graue Zeit, in der die Elektrizität zusammenbrach und nichts funktionierte, und gleichzeitig war es so aufregend.

tip Und nun sind wir mittendrin in einem neuen Soul-Revival…
Stuart Staples Ich würde die Begeisterung gerne teilen und wäre auch gerne durch neue Musik inspiriert, aber es ist nicht so. Die Visionen und die Ästhetik in Fotografie, Kunst und Theater inspirieren mich sehr viel mehr dieser Tage. Ich habe so lange so viel Musik gehört. Sie könnten mir einen fabelhaften Ska-Track vorspielen, der wirklich aufregend ist, aber ich bin zu vertraut mit der Struktur dieser Musik, um mich zu begeistern. Ich habe tatsächlich einen Punkt erreicht, an dem es nicht weitergeht. Aber ich mach mir dennoch keine Sorgen.

tip Auf dem neuen Album kommen mehr Bläser als Streicher zum Einsatz, unter anderem ist Terry Edwards wieder dabei, und speziell der Sound des Saxofons trägt schnell in die Zeit der Siebziger.
Stuart Staples Ein Freund von mir, ein Filmemacher, mit dem ich mich oft austausche, schrieb in seiner ersten Reaktion auf das neue Album, dass wir ihm den Glauben an das Saxofon zurückgegeben haben. Es war mir ein persönliches Anliegen, dem Saxofon seine Würde zurückzugeben.

Interview: Christine Heise

Fotos: Christophe Agou

Tindersticks, Volksbühne, Mi 7. + Do 8.3., 20 Uhr, VVK: 32 Euro

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